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Verlieren LMS im Web 2.0 an Bedeutung?

Dies war der Titel der 15. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival von André Stöhr als Gastherausgeber. Da mir dieses Thema durchaus am Herzen liegt, habe ich mein Statement abgegeben und dies hier nochmal zusätzlich veröffentlicht:

„Wir haben diese Frage als eLearning Service Abteilung (elsa) der Leibniz Universität Hannover schon ein paar Mal diskutiert. Als Betreiber eines LMS ist sie ja nicht unerheblich. Hierzu zuerst unsere Beobachtungen:

Unser LMS hat mit einer aktiven Nutzung von 70% der Lehrveranstaltung und 90% der Studierenden (mind. einmal im Monat eingeloggt) eine gute und die bisher höchste Auslastung. Derzeit verzeichnen wir also eher einen Trend hin als ein weg vom LMS. Auf der anderen Seite stellten wir fest, dass früher die Studierenden deutlich mehr die Möglichkeit zur Erstellung eines Steckbriefs, aber auch die eingebauten Kommunikationsfunktionen (Chat, eMail, Forum) genutzt haben. Fakt ist, dass die Communitys von Studierenden auf StudiVZ und Facebook verlagert wurden. Solche Rückmeldungen haben wir von den Studierenden auch persönlich bekommen. (Auf den Report weiterer Beobachtungen verzichte ich an dieser Stelle für eine kurze Beantwortung der Frage.)

D.h. für uns, dass das Web 2.0 seinen Tribut schon gefordert hat! Wir verstehen die Frage also nicht als zukünftiges sondern als derzeitiges Phänomen. Das forciert zwei neue Fragen:

1) Wird der Trend auch andere Funktionen des LMS betreffen, so dass unser LMS überflüssig wird?

2) Sollten wir diesen Trend aufhalten?

Zu 1) Das LMS stellt für unsere Lehrenden und Studierenden einen zentralen Ort dar, in dem sie z.B. urheberrechtlich geschützte Lernmaterialien zum Download hoch- und runterladen, nach allen Lehrveranstaltungen an unserer Hochschule recherchieren oder Anmeldeverfahren zu Lehrveranstaltungen initiieren und absolvieren können. Eine Adresse für alle Belange, die mit der Lehre an unserem Standort verknüpft sind und einen gesicherten Raum im WWW bietet.

Wir glauben, dass diese Bündelung von Informationen und Diensten durch einzelne Web-2.0-Anwendungen im Internet nicht zu übertreffen ist. Sehr wohl glauben wir, dass die eine oder andere Anwendung sich zukünftig noch ins Web 2.0 verlagern könnte, da die Angebote dort attraktiver sind. Unser Wikiwiki ist rudimentär, durchaus denkbar, dass die Entwicklungen schneller laufen und neue Lösungen bieten werden, die wir so nicht bereitstellen können.

Zu 2) Sollten wir diesen Trend aufhalten? Njein: Nein dann, wenn wir auch mittelfristig nicht in der Lage sind nachgefragte Dienste anzubieten. Ich glaube, wir könnten das auch kaum aufhalten, die Trends laufen einfach schneller als wir reagieren können. Eher möchten wir hier laufenden Trends zuarbeiten. Derzeit entwickeln wir für unser LMS eine API über die mobile Apps und Gadgets zugreifen können und sich so dediziert Informationen aus unserem System ziehen können. Das würde der Gestaltung von PLE zuträglich sein. Der Student hat z.B. eine PLE, in der er sich alle LMS relevanten Informationen darstellen lässt, mit seiner Lerngruppe auf Facebook kommuniziert und auf Cobocards zugreift. Auf der anderen Seite diskutieren wir derzeit, ob man Facebook & Co. in das LMS einbinden sollte. Wenn ein Student möchte, kann er statt unseres Steckbriefs einen anderen einbinden. Die Lösung liegt nahe, es sprechen aber durchaus strategische (Wollen wir Facebook & Co. auch noch eine Werbefläche bei uns bieten?) und sicherheitstechnische Aspekte dagegen.“

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