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eLearning-Strategie die Letzte?

Von unserem CIO gab es vor einiger Zeit den Auftrag, die eLearning-Strategie für unsere Hochschule zu überarbeiten. Grund dafür war, dass die eLearning-Strategie aus dem Jahre 2007 darauf ausgerichtet wurde, die über mehrere Projekte aufgebauten eLearning-Services zu verstetigen. Im Vordergrund stand damals die Begründung für die Etablierung von eLearning sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Die wohl wichtigsten Maßnahmen waren die Überführung der eLearning Service Abteilung (elsa) in eine feste Einrichtung sowie die nachhaltige Bereitstellung ausgewählter eLearning-Services.

Jetzt verhält es sich so, dass ein großer Teil der Maßnahmen umgesetzt sind und etliche Ziele durchaus erreicht wurden (z.B. wird in 70% der Lehrveranstaltungen Stud.IP genutzt). Nach der jetzigen Konstellation ist die eLearning-Strategie zwar noch richtungsweisend (sie enthält natürlich auch strategische Elemente), der Arbeitsalltag zeigt jedoch Schwächen und verlangt nach einer grundsätzlichen Klärung der Frage: Wohin wollen wir in den nächsten Jahren gehen? Das LMS ist etabliert, Beratung und Support gibt es, Medientechnik ist verfügbar und Aufzeichner können gebucht werden – braucht man da noch strategische Ziele oder geht es jetzt primär um die Erbringung von Dienstleistungen?

Diese Fragen stellen nicht wir, sondern sie werden an uns innerhalb unserer Hochschule herangetragen (Wir sind viel mehr der Meinung, dass wir im eLearning noch lange nicht am Ende der Entwicklungen angekommen sind). Mit dem einher folgt dann auch eine immer wieder aufkommende organisatorische Frage: Wo wird die elsa zukünftig angesiedelt? Für mich scheint es deswegen in dieser Diskussion um eine ganz andere Sache zu gehen: Für große universitäre Einrichtungen sind wir inzwischen ein leckeres Häppchen, was es entweder ganz oder in Teilen einzuverleiben gilt. Einige Einrichtungen wittern scheinbar Prestige, mit dem man sich im täglichen Verteilungskampf um Stellen- und Finanzmittel stärken kann. Denn wer erfolgreiche Services bereitstellt, dem rückt man mit Stellenkürzungen und Umstrukturierungen nicht so schnell zu Leibe.

Es zeigt sich somit, dass mit einer neuen eLearning-Strategie mehr Fragen zu klären sind, als die Frage: Wohin soll die Reise gehen? Primär wird es für uns darum gehen, vor allen Dingen zu zeigen, wie wir eLearning an dieser Hochschule gedenken weiter zu etablieren und neue Entwicklungen einbinden. Aus der Diskussion mit den Kollegen ergeben sich für mich deswegen derzeit die folgenden Eckpfeiler der eLearning-Strategie:

  • Wenn die elsa bis jetzt all die vielen eLearning-Innovationen selektiert und aufgearbeitet hat, dann muss Forschung und Entwicklung eine zentrale Aufgabe werden.
  • Weil eLearning so interdisziplinär ist, berühren viele eLearning-Services die unterschiedlichsten Abteilungen dieser Hochschule (z.B. Medientechnik das Baudezernat, Stud.IP das Hochschulverwaltungssystem, Mediendidaktik die Hochschuldidaktik). Der elsa muss deswegen eine Rolle als Innovationsmotor und -moderator zugesprochen werden. Innovation müssen mit den unterschiedlichen Abteilungen verbindlich angegangen werden.
  • Die elsa mit einem interdisziplinären Leitungsteam zu koordinieren, hat sich bewährt. Das gewährleistet, dass Entscheidungen und Entwicklungen von allen fachlichen Belangen aus abgewogen und später auch gemeinsam getragen werden. Dies gilt es fortzuführen und die elsa als eigenständige Abteilung beizubehalten.
  • Wenn Services dazu kommen sollen, wie finanziert sich das? Wir treten für eine Leistungskostenrechnung ein, brauchen aber auch Freiräume für Innovationen.
  • Last but not the least: Wir müssen weg vom eLearning und hin zu einer Qualitätsverbesserung der Lehre durch die Unterstützung mit digitalen Medien. Dies impliziert, dass wir eLearning an der Leibniz Universität Hannover als eine hochschuldidaktische Aufgabe verstehen. Auch wenn organisatorische, juristische und technische Fragen einen großen Teil unserer täglichen Arbeit ausmachen, die Unterstützung der Lehrenden und Studierenden ist die zentrale Aufgabe.

Letzter Punkt zeigt, wohin die Reise gehen muss: Digitale Medien müssen zur Unterstützung von Vorlesungen, Seminaren, Laboren, Schlüsselkompetenzen sowie für kompetenz- und projektorientierte Studiengänge eingesetzt werden. Wir können eLearning nicht mehr losgelöst von den einzelnen didaktischen Belangen denken, sondern immer nur als ein Teil eines Gesamtkonzeptes.

Dies impliziert, dass didaktische Beratung nicht mehr separat in mediendidaktische Beratung, Förderung von Schlüsselkompetenzen oder zur kompetenzorientierten Studiengangsentwicklung geführt wird. Ebenso verhält es sich mit der hochschuldidaktischen Fortbildung. Angebote wie z.B. „Vorlesungen gestalten“ und „Vorlesungen mit eLectures unterstützen“ müssen zusammengeführt werden. Erst so lässt sich eLearning weiter in die Breite bringen und Lerntechnologien auch letzten Endes für gute Lehre und nicht „nur“ zur organisatorischen Entlastung der Lehrenden und Studierenden einsetzen.

Deswegen bin ich der Meinung, dass unsere Strategie in einer Gesamtstrategie für die Hochschuldidaktik münden muss. Und so hoffe ich insgeheim, dass dies die letzte eLearning-Strategie wird, die ich für diese Hochschule schreibe 🙂