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Gabi Reinmann / Martin Ebner / Sandra Schön: Hochschuldidaktik im Zeichen von Heterogenität und Vielfalt

Im vergangenen Jahr haben Rolf Schulmeister und Peter Baumgartner je einen runden Geburtstag gefeiert. Der „Hamburger“ ist 70zig geworden, der „Österreicher“ 60zig. Ich will nicht verleugnen, dass mir beide große Vorbilder sind und so freue ich mich, dass die vielen Kollegen ihnen eine Doppelfestschrift gewidmet haben. Mit diesem Blog-Beitrag reihe ich mich in die Schlange der Gratulanten ein – Herzlichen Glückwunsch an die beiden Jubilare! – und hoffe, dass sie uns an ihren vielen Erkenntnissen weiterhin teilhaben lassen.

Die Doppelfestschrift wurde herausgegeben von Gabi Reinmann, Martin Ebner und Sandra Schön. Bei diesen Herausgebern ist es denn auch nicht verwunderlich, dass sie als CC (BY NC ND) – kurz „frei verfügbar“ – im Netz zum herunterladen bereit steht – Link. Das gefällt und ist ebenfalls ein Vorbild. Dankeschön!

Insgesamt finden sich 14 Artikel, die mal praktisch, mal theoretisch, mal visionär ausgerichtet sind. Auf 260 Seiten wir laut gedacht, zusammengefasst und in die Zukunft geschaut. Es ist kein Werk, was den Wissenschaftler, den Tüftler oder den Praktiker alleine anspricht sondern vielmehr ist für jeden etwas dabei. Auf eine Rezension der Einzelartikel verzichte ich, da das Werk ja frei verfügbar ist und jeder sich schnell einen Überblick verschaffen kann. Zusammenfassend sei vermerkt: Stöbern lohnt sich!

Eine Sache möchte ich jedoch kommentieren, da es mir sehr gut gefallen hat: Gabi Reinmann hat je ein Interview mit Ludwig Huber und mit Johannes Wildt verschriftlicht, welche den Status quo der Hochschuldidaktik mit Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte kommentieren. Ich kann fast alle Einschätzungen so unterschreiben. Wir sollten die Hinweise dieser beiden Protagonisten in unserer zukünftigen Arbeit berücksichtigen. Sei es, dass wir der Hochschuldidaktik mehr didaktisches Fundament geben oder das wir den vielen „Neulingen“ bei der Orientierung und Einarbeitung in unserer Profession mit Rat und Tat bei Seite stehen.

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Herausgegeben: „E-Assessments in der Hochschullehre“

Im Rahmen des N2E2-Projektes haben wir mit unserem Projektträger, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK), vereinbart auf einen Abschlussbericht zu verzichten und statt dessen unsere Erfahrungen zu E-Assessments in der Hochschullehre für Hochschullehrende, Entscheidungsträger aber auch eLearning-Experten zu verschriftlichen. Im Sinne des MWK ist es Ziel des von Markus Schmees und mir herausgegebenen Sammelbandes einen einfachen Einstieg in das Thema zu ermöglichen, praktische Erfahrungen unterschiedlicher Hochschulen sichtbar zu machen sowie Forschungs- und Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. Dieses Ziel haben wir im Untertitel deutlich gemacht: Einführung, Positionen & Einsatzbeispiele. Für das Inhaltsverzeichnis und die Zusammenfassung sei hier auf die Web-Site des Peter Lang Verlages verwiesen.

Ich glaube uns ist der – nicht ganz einfache – Brückenschlag von der Theorie zur Praxis zur Forschung durchaus gelungen. Das Werk gibt damit einen Ein- und Überblick zu den vielen Facetten von E-Assessment in der Hochschullehre. Für die Vertiefung des Themas liefern die einzelnen Beiträge umfassende Literaturhinweise.

Einer meiner beiden Beiträge setzt sich mit der Professionalisierung didaktischer Beratung auseinander und geht einen Schritt weiter, als mein vorletzter Blogbeitrag „Didaktische Videoclips – nicht nur für die Beratung„. Der Titel lautet: „Hinwendung zu einer professionalisierten didaktischen Beratung. Begründung, Erkenntnisstand und Einsatzbeispiel“. Hier habe ich versucht das Thema didaktische Beratung einzugrenzen und so für zukünftige Arbeiten vorzubereiten. Zur Info nachfolgend der englischsprachige Abstrakt:

„This paper departs from the fact that numerous institutions for higher education make use of education consulting in order to promote e-assessment activities in teaching. It turns out that, even if specific consulting is offered, teaching staff are reluctant to apply e-assessment strategies in their lectures. This raises the question if education consultants need a professional qualification. In this chapter, we argue that this question deserves an affirmative answer. Moreover, we give a definition of the term education consulting and demonstrate a best practice example. We conclude that education consulting is still a young discipline that needs scientific research as well as hands-on experience.“

Über Feedback sowohl zu meinem Beitrag als zum Sammelband würde ich mich sehr freuen. Lob, Tadel und/oder Ergänzungen können gerne im Blog veröffentlicht werden.

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Michel Kerres: Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote

Michael Kerres hat die dritte Auflage seines Werkes „Multimediale und telemediale Lernumgebungen“ vorgelegt, welches den neuen Titel „Mediendidaktik: Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote“ trägt. Die Neutitulierung war notwendig geworden, weil gegenüber dem alten Werk eine inhaltliche Erweiterung, teilweise eine Neupositionierung des Themas geleistet wurde. Das wird deutlich im Vergleich mit der zweiten Auflage aus dem Jahre 2001. Weit über die Hälfte des Buches sind neu geschrieben und 110 Seiten sind in der Summe hinzu gekommen.

Kerres hat sein Werk als Lehrbuch gestaltet, welches gemäß Umschlag an „Studenten der Informatik, Pädagogik sowie Entwicklern von Bildungsmedien“ adressiert ist. Viele Kapitel und Abschnitte werden hierzu mit praktischen Beispielen eröffnet, wodurch der Einstieg in die Mediendidaktik leicht gemacht wird. Übungsaufgaben am Ende eines jeden Kapitels helfen darüber hinaus die Inhalte zu rekapitulieren, zu reflektieren und somit zu verinnerlichen. Dabei vermittelt das Werk in 16 Kapiteln und auf 500 Seiten einen Einblick in die folgenden Themen: Varianten des selbstgesteuerten Lernens, die Positionierung der Mediendidaktik, das Lernen mit Medien, Text, Bild, Ton und Anderen, die Planung von Lernangeboten sowie die dabei beteiligten Akteure, unterschiedliche didaktische Methoden, die Lernorganisation, technische Implementationen und abschließend Innovationsthemen. Darüber hinaus gibt es im Begleitweb ergänzend zum gedruckten Buch Downloads, weiterführende Informationen und Aufzeichnungen von Online-Vorlesungen.

Der Schreibstil ist prägnant gewählt und damit gut zu lesen. Die Auswahl sowie die Darstellung der Inhalte ist praxisorientiert und so wird versucht, auf die berufliche Tätigkeit als Mediendidaktiker vorzubereiten. Das kann als gelungen bewertet werden, denn trotz Praxisorientierung wird auch immer eine wissenschaftliche Begründung der Empfehlungen geleistet. Nicht ganz nachvollziehbar ist die Anordnung der Kapitel. So werden didaktisch-methodische Aspekte im Werk immer wieder aufgegriffen, ohne eine Zusammenführung zu leisten. Warum wird z.B. selbstgesteuertes Lernen losgelöst von explorativen, problemorientierten oder kooperativen Lernen diskutiert?

Zusammenfassend ist das Werk als sehr nützlich zu bewerten, liefert es doch einen guten Überblick sowie viele wertvolle Empfehlungen für die Praxis, ohne auf eine wissenschaftliche Fundierung zu verzichten. Es ist der anvisierten Zielgruppe „Studenten“ ebenso uneingeschränkt zu empfehlen wie dem Lehrenden für die inhaltliche Gestaltung von Lehrveranstaltungen zur Mediendidaktik. Darüber hinaus kann die Zielgruppe durchaus erweitert werden: Das Buch ist auch für praktisch wie auch wissenschaftlich tätige Didaktiker ein hilfreiches Überblicks- und Nachschlagewerk.

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Rolf Schulmeister / Christiane Metzger: Die Workload im Bachelor: Zeitbudget und Studienverhalten. Eine empirische Studie

Rolf Schulmeister und Christiane Metzger sammeln in ihrem Band Aufsätze, die sowohl die methodische Diskussion und Ausgestaltung als auch die Befunde der Studie „zeitLAST“ wiedergeben. Ziel der Studie war es den Aufwand des Bachelor-Studiums in den unterschiedlichsten Studiengängen, z.B. Lehramt für berufsbildende Schulen, Kulturwissenschaften, Medientechnik/-pädagogik, Betriebswirtschaftslehre, Mathematik und Ingenieurswissenschaften zu erfassen. Es galt die These zu belegen, dass es durch die Umstrukturierung auf das Bachelor-Studium „zu drastisch gestiegenen Abbrecherquoten und einer verstärkten Nachfrage nach Studien- und psychologischer Beratung“ kam. Hierfür wurden in 18 Stichproben mit 403 Studierenden über einem Zeitraum von 5 Monaten Zeitbudget-Analysen, Befragungen, Interviews und Zeitmanagement-Seminare durchgeführt. Der zeitliche Aufwand des Bachelor-Studiums wurde so detailliert erfasst. Insgesamt wurden 61.091 Tage, 300.000 Einträge und 1.466.184 Stunden erfasste Lernzeit ausgewertet.

Der Sammelband fasst auf 360 Seiten elf Beiträge. Neben den Herausgebern äußern sich Lena Groß, Mai-Anh Boger, Heidi Krömker, Kristina Henne, Katja Hoffmann, Cindy Mayas, Erwin Wagner, Dennis Holsberg und Kirsten König zur durchgeführten Studie. Das Werk ist in vier Abschnitte unterteilt: I. Empirische Untersuchungen […]. II. Befragungen. III. Didaktische Überlegungen und Konsequenzen. IV. Beschreibung der untersuchten Studiengänge. Dabei beschränken sich die Autoren keinesfalls auf die Darstellung der Studie sondern sprechen auch Empfehlungen für eine andere Strukturierung der Studiengänge aus. Denn grundsätzlich kommen sie zu dem Schluss, dass die zeitliche Belastung der Studierenden deutlich geringer ist, als die im Rahmen der Bologna-Vorgaben veranschlagten 40 Zeitstunden pro Woche. Diese und weitere Befunde werden dahingehend interpretiert, dass das Selbststudium vernachlässigt wird und der häufige Fächerwechsel, sowie der damit verbundenen vielen Prüfungsereignisse, Stress und eine hohe empfundene Arbeitsbelastung bei den Studierenden auslösen. Entsprechend wird eine Ausgestaltung der Studiengänge empfohlen, die einerseits durch Blockveranstaltungen das häufige Fächerwechseln reduziert, andererseits die Einbindung von Selbstlernphasen besser ermöglicht. Je nach Befunden und der Struktur der untersuchten Studiengänge werden auch spezifischere Empfehlungen ausgesprochen.

Die Ausführungen der Wissenschaftler lesen sich spannend, die Studie ist klar dargestellt, die Argumentationen und Rückschlüsse sind gut nachvollziehbar. Die Bedeutsamkeit des Themas macht dieses Buch zu einem Muss für jeden, der in der Hochschullehre tätig ist. Besonders hervorzuheben ist dabei die umfangreiche Diskussion und Darstellung der Forschungsmethode zur Erfassung der Lernzeit.

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Lernen & Lehren Rezensionen

Günter Daniel Rey: E-Learning. Theorien, Gestaltungsempfehlungen und Forschung

Der Autor hat eine Monographie mit 230 Seiten vorgelegt, in der er das Thema „E-Learning“ beleuchtet. E-Learning wird dabei als das „Lernen mittels verschiedener elektronischer Medien“ definiert. Das Buch ist Studierenden, Praktikern, Lehrenden und Forschern gleichermaßen gewidmet.

Einleitend werden die Begriffe E-Learning und Multimedia definiert und auf die Eigenschaften Multimedialität, Multicodalität, Multimodalität und Interaktivität elektronischer Medien eingegangen. Hierauf aufbauend werden Forschungsprobleme benannt und von einer pauschal vergleichenden Forschung, die z.B. die Unterschiede in der Lernleistung zwischen Texten und Bildern untersucht, Abstand genommen. Im zweiten Kapitel werden einführend die der Mediendidaktik zugrundeliegenden Hauptströmungen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus erläutert, um hierauf aufbauende u.a. die Cognitive Load Theory, das Rahmenmodell für Lernen mit Multimedia und das integrative Modell multimedialer Effekte beim Lernen zu erläutern. Das dritte Kapitel widmet sich der Gestaltung von (Hyper‑)Texten, Bildern, Animationen, Computersimulationen, Problem(löse-)aufgaben und die Berücksichtigung von Lernereigenschaften. Neben konkreten Gestaltungsempfehlungen – umfangreich mit wissenschaftlicher Literatur belegt – finden sich immer wieder auch offene Forschungsfrage, d.h. der Leser wird vielmals an den Rand der wissenschaftlichen Erkenntnis herangeführt. Das vierte Kapitel trägt die Überschrift „Forschung“ und gibt hierfür konkrete Handlungsanleitungen von der Findung der Forschungsfrage bis zur Berichtserstattung. Das Buch schließt mit dem Kapitel „Ausblick“ in dem die Forschungsfelder „Adaptive Lernumgebungen“, „Kollaborative Lernumgebungen“ und „Digitale Lernspiele“ vorgestellt werden.

Rey besticht durch eine transparente Darstellung der Inhalte und eine klare Sprache. Dies macht die Arbeit nicht nur zu einem soliden Lehrbuch für Studierende, sondern auch zu einem Nachschlagewerk für den Praktiker. Der Fokus auf die Erstellung von multimedialen Lerneinheiten lässt jedoch u.a. intrapersonale Prozesse zwischen Lernenden und Lehrenden außen vor. Das Werk richtet sich deswegen weniger an Lehrende, die z.B. mittels WikiWiki-Webs kooperative Lernumgebungen gestalten, sondern viel mehr an (zukünftigen) Autoren von multimedialen Lerneinheiten sowie jene, die diese auf ihre Qualität und Eignung hin bewerten müssen. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass große Teile des Buches als multimediale Lerneinheit im Internet frei zugänglich sind: www.elearning-psychologie.de

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Roland Holten / Dieter Nittel: E-Learning in Hochschule und Weiterbildung. Einsatzchancen und Erfahrungen


Roland Holten und Dieter Nittel widmen sich in ihrem Sammelband dem Thema E-Learning in der Hochschule sowie in der Weiterbildung. Ausgehend von einem historischen Zugang zum E-Learning wird hierfür die Notwendigkeit einer interdisziplinären Forschungskultur ergründet. Entsprechend breit aufgestellt sind die zehn Beiträge: Sie kommen aus den Erziehungswissenschaften, der Erwachsenenbildung, der betrieblichen Bildung, der Medienpädagogik, der Informatik sowie der Wirtschaftspädagogik.

Dabei wurde von den Herausgebern für den Beitrag ein empirischer Gehalt von den Autoren eingefordert. Ein Sammelsurium an zahlenorientierten trockenen Beiträgen zum E-Learning stellt dieses Werk trotzdem nicht dar. Die Beiträge kommen praxisorientiert daher. Neben der Frage, wie E-Learning nachhaltig in der Bildung verankert werden kann (Kammerl; Nikolopoulus & Holten; Zinth & Schütz), fokussieren die Texte auf Wirtschaftlichkeits- und Wirksamkeitsanalysen (Bremer, Krömker & Voss), auf soziale Interaktion im Netz (Götz & Marsden), auf die Darstellung und Evaluation von Lehr-/Lernszenarien (Wuttke, Wolf & Mindnich; Biggeleben u.a.; Appelt) sowie einer Verortung von E-Learning in der Hochschule (Hansen, Hoppe & Verplancke; Nittel).

Besonders die empirisch untermauerten Beiträge liefern Erkenntnisse, die der Hochschulplanung, -organisation und den ‑entscheidern Handlungsempfehlungen liefern können. Die vorgestellten und diskutierten Lehr-/Lernszenarien zeigen darüber hinaus den Nutzen von E-Learning im Bildungskontext, bleiben für den praktizierenden Lehrenden jedoch sehr allgemein. Sie dürften somit eher als Ideengeber dienen. Explizit werden jedoch nur zwei Beiträge der Weiterbildung gewidmet, so dass dieses Werk eher allgemein den Blick auf E-Learning in der Hochschule wirft.

Damit empfiehlt sich dieses Werk für Mitarbeiter der Hochschule, die mit strategischen Vorhaben im Bereich E-Learning betraut sind sowie für Bildungswissenschaftler, die sich mit entsprechenden Forschungs- und Entwicklungsaufgaben befassen. Für die ausgemachte Zielgruppe eine spannende und lesenswerte Publikation.

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Forschen Rezensionen

Gabi Reinmann / Joachim Kahlert: Der Nutzen wird vertagt …

Bildungswissenschaften im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Profilbildung und praktischem Mehrwert

Gabi Reinmann und Joachim Kahlert stellen in ihrem Band Aufsätze vor, die das schwierige Verhältnis der Bildungswissenschaftlichen Forschung mit der Bildungspraxis beleuchten. Ausgangspunkt des Diskurses ist die These, dass Grundlagenforschung kleinteilig die Einflüsse auf den Lehr-/Lernprozess dokumentiert, der praktische Mehrwert für Lehrende jedoch oft auf der Strecke bleibt. Es wird festgestellt, dass für die Bildungswissenschaften keineswegs ein Forschungsdefizit, sondern vielmehr ein Umsetzungsdefizit der Forschungsergebnisse zu konstatieren ist. Die Ursache für dieses Problem sehen die Autoren in der Wissenschaft selbst: Eine Anerkennung der Leistungen in der Wissenschaftscommunity gibt es nur für empirische Forschungsergebnisse, Ergebnisse, die der Bildungspraxis dienen – auch wenn sie mit wissenschaftlichen Methoden erarbeitet wurden – finden wenig Anerkennung. Dies zieht sich durch alle Dimensionen des Wissenschaftsbetriebs, von der Forschungsförderung bis zur Berufung von Nachwuchswissenschaftlern. Entsprechend finden Wissenschaftler, die sich der Bildungspraxis zuwenden, wenig Anerkennung in der Forschung.

Der Sammelband fasst auf 223 Seiten insgesamt elf Beiträge. Neben den Herausgebern äußern sich Ewald Kiel, Rolf Arnold, Dieter Euler, Dominik Petko, Titus Guldimann, Robin Stark, Heinz Mandl, Petra Herzmann, Cort-Denis Hachmeister, Ulrich Fahrner, Antony Unwin, Theo Hug, Norm Friesen und Liam Rourke zur beschriebenen Problematik. Die Autoren beschränken sich dabei nicht nur auf die Problemanalyse, sondern zeigen unterschiedliche Lösungsvorschläge für praxisorientierte Bildungsforschung, die sie zum Teil seit Jahren selbst praktizieren, z.B. Starck, Mandl & Herzmann: „Ein integrativer Forschungsansatz zur Überbrückung der Kluft zwischen grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung“. Mehrere Autoren nennen darüber hinaus Design-Based Research als einen internationalen Forschungsansatz, welcher der diskutierten Problematik der Bildungsforschung begegnen kann (Hug, Friesen, Rourke & Reinmann). Gabi Reinmann fordert abschließend die Bildungswissenschaften nicht nur an den Idealen naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Forschung auszurichten, sondern sich auch an der ingenieurswissenschaftlichen Forschung zu orientieren. Denn die Ingenieurwissenschaften haben gezeigt, wie erfolgreich eine verwertende Wissenschaft, basierend auf den Naturwissenschaften und der Mathematik, sein kann.

Die Ausführungen der renommierten Pädagogen lesen sich spannend, werfen unterschiedliche Perspektiven auf die fokussierte Problemstellung und zeigen verschiedene Lösungsansätze. Die Sprache ist klar, die Argumentationen schlüssig und ergebnisorientiert. Die Bedeutsamkeit des Themas macht dieses Buch zu einem Muss für jeden, der in der Bildungswissenschaft tätig ist.

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Anja Zwingenberger: Wirksamkeit multimedialer Lernmaterialien

Anja Zwingenberger widmet sich in ihrem Buch der Wirksamkeit von multimedialen Lernmaterialien. Die Monographie fasst eine kritische Bestandsaufnahme des Themenkomplexes sowie hierauf aufbauend eine eigene Metanalyse empirischer Evaluationsstudien.

Systematisch arbeitet die Autorin hierfür zuerst Formen multimedialer Lernmaterialien heraus (Übungsprogramme, Tutorensysteme, Intelligente Tutorielle Systeme, Simulationen und Mikrowelten) und beschäftigt sich anschließend mit der Messung des Lernerfolgs (Nachwissen minus Vorwissen). Ausführlich werden Evaluationsformen für multimediales Lernen vorgestellt, wobei in normative (Instruktionsdesign/-theorie, Vorgehensmodelle) und empirische Ansätze (Effektforschung, Akzeptanzforschung und Metaanalyse) unterschieden wird. Die Autorin zeigt auf, dass besonders eine Metaanalyse für die Beantwortung ihrer Forschungsfrage die geeignete Vorgehensweise ist.

Hierauf aufbauend widmet sich die Arbeit ausführlich der methodischen Gestaltung von Metaanalysen und begutachtet die Ergebnisse und Vorgehensweisen bisheriger Metaanalysen zu multimedialen Lernmaterialien. Insgesamt werden 27 Studien vorgestellt und nach festen Kriterien evaluiert. Aufbauend auf die hierbei gesammelten Erkenntnisse wird eine eigene Metaanalyse gestaltet und durchgeführt. Besonderes Anliegen der Autorin ist es durch eine transparente und differenzierte Vorgehensweise der Kritik an Metaanalysen (garbage in – grabage out; apples and organges; publication bias) zu begegnen und einen Weg aufzuzeigen, wie die empirischen Herausforderungen gemeistert werden können.

Für die eigene Metaanalyse werden insgesamt 36 Studien gesichtet. Anhand dessen wird die Forschungsfrage beantwortet. Die Autorin kommt zum Schluss, dass multimediale Lernmaterialien den Lernerfolg im Vergleich zu Druckwerken sowie Unterricht/Vorlesungen signifikant erhöhen. Hierfür nennt sie für unterschiedliche Lernmaterialien und Lehr-/Lernsituationen spezifische Effektstärken.

Die Ausführungen der Autorin lesen sich gut und werfen interessante Perspektiven auf die Forschungsfrage. Die Sprache ist klar, die Vorgehensweise schlüssig und ergebnisorientiert. Die Bedeutsamkeit der Arbeit liegt in der Sammlung unterschiedlicher Metaanalysen, in der Darstellung einer methodisch gut begründeten Vorgehensweise sowie den Befunden zur Wirksamkeit multimedialer Lernmaterialien. Adressaten dieser Arbeit sind somit Bildungswissenschaftler, die sich mit Methoden der Lehr-/Lernforschung auseinandersetzten sowie Medienpädagogen im Allgemeinen.