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Keine Bildung ohne Medien!

Auch ich habe mich an dem medienpädagogischen Kongress „Keine Bildung ohne Medien!“ mit einem Beitrag beteiligt. Am 24.3.2011 werde ich meinen Beitrag für die AG „Medienbildung in der Hochschule“ in gekürzter Form vortragen. Der vollständige und schriftliche Beitrag kann hier als PDF heruntergeladen werden: Keine Lehre ohne digitale Medien! (582 KB)

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Dissertation online und/oder gedruckt!?

Am 1. Oktober 2010 hatte ich meine Verteidigung an der Universität der Bundeswehr (UniBW) in München. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an meine Doktormutter Prof. Dr. Gabi Reinmann für die tolle Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen!

Jetzt ist meine Arbeit veröffentlicht und das gleich zwei Mal. Zuerst hatte ich mich für die elektronische Publikation in der Bibliothek der UniBW entschieden. Das ist einfach, geht schnell und kostet nichts. Außerdem kann so jeder die Arbeit kostenlos herunterladen und damit arbeiten. Darüber hinaus ergab sich nach ein paar Wochen die Gelegenheit, meine Arbeit beim Verlag Werner Hülsbusch (vwh) in der Reihe E-Learning noch mal als gedrucktes Buch zu veröffentlichen. Im Zeitalter von Open Access stellt sich natürlich die Frage: Warum noch mal einen Verlag einbinden? Warum ein Buch drucken, wenn Download so einfach ist?

Ich kann beiden Varianten der Veröffentlichung etwas abgewinnen: Der Elektronischen aus den bereits genannten Gründen: Einfach, praktisch, billig und schnell. Auch ich habe während meiner Dissertation – aber auch als Student – gerne in elektronisch publizierte Dissertationen geschaut. Das ist praktisch, wenn einen nur ein Teilaspekt der Publikation interessiert (z.B. die thematische Eingrenzung oder das Forschungsdesign). Man hat einen schnellen Zugriff. Wenn man will druckt man sich die wichtigsten Inhalte aus und muss nicht das gesamte Werk kaufen oder leihen.

Will ich jedoch ein Buch gründlich lesen und dabei auch hin und her springen, dann finde ich es gedruckt und gebunden von der Handhabung her unschlagbar. Ich kann einfach einen Stift auf einer Seite liegen lassen, hinten blättern und schnell wieder vorne, z.B. in der Abbildung, was nachschauen. Darüber hinaus bleibt durch das Buch mein Rechner frei. Ich kann also Notizen in Word aufnehmen und habe dabei den Text trotzdem vor mir liegen. Beim Rechner müsste ich den PDF-Reader mit dem Text  wegclicken.

Auch hat ein Buch eine räumliche Dimension: Ich finde es im Regal schneller wieder als in meiner Ordnerhierarchie von PDF-Dokumenten (es steht nicht nur bei dem Thema XY sondern neben Z) und kann mir durch die Dicke besser merken, ob etwas am Anfang, in der Mitte oder am Ende stand. All diese physischen Erfahrungen habe ich mit einem PDF-Dokument nicht. Hinzu kommt, dass das lange Lesen an einem aktiv leuchtenden Bildschirm mühselig ist und die Körperhaltung nur bedingt geändert werden kann.

Der Hauptgrund aber, die Dissertation über einen Verleger (BTW: Ich kann den Verlag Werner Hülsbusch sehr empfehlen!) zu veröffentlichen, war, dass durch dessen Bewerbung sie auch an Personen herangetragen wird, die mich nicht kennen und/oder in dessen Kreisen ich mich nicht bewege. Darüber hinaus wird sie in der Reihe E-Learning veröffentlicht, so dass sie auch in den Kontext anderer  Arbeiten gestellt wird. Denn genau das ist es, was bei der Veröffentlichung auf dem Bibliotheksserver der UniBW nicht passiert.

So finde ich es immer noch sinnvoll Veröffentlichungen in Buchlänge auch zu drucken. Dem Leser steht es dann frei es am Bildschirm, auf dem iPad, auf dem Handy, ausgedruckt oder als gebundenes Buch – ob geliehen oder gekauft – zu lesen. Ich mache ungerne Prognosen, aber ich glaube das gedruckte Bücher uns in vielen Bereichen auch in Zukunft weiterhin beglücken werden. Abschließend stelle ich den an meiner Dissertation Interessierten vor die Wahl, online und/oder gedruckt (?):

  • Krüger, M. (2011) Selbstgesteuertes und kooperatives Lernen mit Vorlesungsaufzeichnungen: Das Lernszenario VideoLern – Eine Design-Based-Research-Studie. Verlag Werner Hülsbusch, Boizenburg
  • Krüger, M. (2010). Das Lernszenario VideoLern: Selbstgesteuertes und kooperatives Lernen mit Vorlesungsaufzeichnungen. Eine Design-Based-Research Studie. Download hier
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Paraguay: Universidad Catolica Nuestra Señora de la Asunción

Vom 28.2. bis zum 18.3. hatte ich eine Dienstreise der besonderen Art: Ich war an der „Universidad Catolica Nuestra Señora de la Asunción“ in Paraguay, im folgenden UC abgekürzt. Die Reise war Teil einer Anbahnungsmaßnahme für die bilaterale Kooperation in Forschung und Technologie mit dem Schwerpunkt Further Education und E-Learning, gefördert vom Internationalen Büro des BMBF. Die Zeit vor Ort war dicht gepackt mit dem Kennenlernen von Entscheidungsträgern (Präsident, Dekane, Institutsleiter), mit Vorträgen über die Mehrwerte von digitalen Medien in der Lehre sowie mit Diskussionen über mögliche Kooperationsinhalte und -ebenen. Ohne hier die lange Vorgeschichte zu erzählen sowie einen vollständigen Bericht über den Aufenthalt abzuliefern, hier meine Eindrücke zu Bildungsfragen:

  • Paraguay (6,4 Millionen Einwohner) hat in den letzten Jahren ein sehr gutes Wirtschaftswachstum von 7-10 %/Jahr hingelegt. Es wird im Fahrwasser von Brasilien mitgezogen, welches sich schon seit vielen Jahren wirtschaftlich stark entwickelt. Entsprechend steigt der Lebensstandard in Paraguay, es werden Fabriken aufgebaut und es wird exportiert. Das bedarf immer mehr gut ausgebildeten Nachwuchs, den das Land nicht hat. Es herrscht folglich ein Akademikermangel, den es zu begegnen gilt. Entsprechend hat sich die Zahl der Universitäten in den letzten 10 Jahren von 2 auf 20 verzehnfacht. Zum Teil sind es Universitäten, die aus dem Land heraus gegründet wurden, zum anderen Teil aber auch Universitäten, die aus den USA und Spanien kommen.
  • Universitäten sind überwiegend privat: In Paraguay gibt es nur eine öffentlich finanzierte Universität in der auch Forschung betrieben wird. Das ist die Universidad Nacional de Asunción. Alle weiteren Hochschulen sind privat oder wie im Fall der UC in kirchlicher Trägerschaft. Ob privat, kirchlich oder staatlich, ohne Studiengebühren geht es nicht. Für eine gute Universität sind 200 US$/Monat üblich, billigere Universitäten (die vom Niveau den Titel eigentlich nicht mehr verdienen) nehmen immerhin noch 70 US$/Monat. Die Finanzierung der Hochschulen ist somit entweder  selbsttragend oder gewinnorientiert.
  • Hochschullehrer an der UC verdienen Vollzeit ca. 1000 US$/Monat. Damit kann man in Paraguay leben, seine Kinder aber keineswegs auf eine Universität schicken. Dementsprechend arbeiten fast alle Lehrenden halbtags an der Universität, die andere Hälfte sind sie selbständig. Hier der monatlich – mehr oder minder – regelmäßige Geldfluss, dort die Möglichkeit mit Geschäften mehr Geld zu verdienen.
  • Distance Education hat in Paraguay eine hohe Akzeptanz: Ein Teil der Hochschulangehörigen hat ihre weiterführende Qualifikation (Master, Promotion) über diesem Wege erworben. Entweder in den USA oder in Spanien.

Vor diesen Hintergründen, die sich von unserem Bildungsgeschehen stark unterscheiden, bekommen Further Education und E-Learning einen ganz anderen Stellenwert. Dem Mangel an Akademikern muss über den Ausbau der Bildungskapazitäten, aber auch über die Weiterbildung des bestehenden Personals, begegnet werden. Da hierfür nur bedingt Geld vorhanden ist – das scheint sich von dt. Bildungssystem nicht zu unterscheiden 😉 – müssen Lösungen her, die kostengünstig sind.

Distance Education ist hierfür eine Lösung. Es spart an zwei Stellen finanzielle Ressourcen ein: A) Es müssen weniger Immobilien vorgehalten werden und B) es können auch Menschen aus dem Umland studieren, die kein Geld für das Leben am Studienort haben. Letzteres ist in einem Flächenland wie Paraguay ein sehr gewichtiges Argument. Denn wer sein gesellschaftliches Umfeld verlassen muss ist mit vielen Mehrkosten konfrontiert, die er Zuhause nicht hat, z.B. Unterkunft, Essen sowie Arbeitsausfall im familiären Betrieb.

Stellt man für E-Learning nicht den Anspruch an die IT-Infrastruktur, HD-Streaming in Echtzeit zu leisten, kann diese als hinreichend gewertet werden. Jede kleine Ortschaft hat heute ein gut funktionierendes Mobilfunknetz, welches auch den Internetzugang gewährleistet. Wer ganz weit auf dem Land wohnt, dem bleibt nur der Aufbau einer Richtfunkstrecke oder die Fahrt in den nächsten Ort. Grundsätzlich ist E-Learning also möglich.

Das sehen die Entscheidungsträger in den Hochschulen auch so. Einige private Universitäten haben bereits Studiengänge im Angebot (z.B. die Universidad Autónoma de Asunción), die UC steht da in den Startlöchern. Die Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt, sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Es scheint, dass besonders die Lehrenden mit dieser Art der Lehre nicht klar kommen. Gründe sind einerseits in der mangelnden didaktischen Qualifizierung zu suchen, andererseits in den Einstellungen der Lehrenden. Meine Aufenthaltsdauer vor Ort war aber einfach zu kurz, um hier umfangreiche und verlässliche Erkenntnisse liefern zu können.

Darüber hinaus ist zu beobachten, dass US-amerikanische und spanische Universitäten versuchen den Bildungsmarkt zu erschließen. Hierfür verwenden sie natürlich E-Learning und es ist zu erwarten, dass sie das passende Know-how haben, um mit den Lerntechnologien auch erfolgreiche Bildungsangebote zu erarbeiten.

All diese Beobachtungen stärken meine Gedanken, die ich schon in einen älteren Blogbeitrag formuliert habe: Was ist, wenn „ein MBA-Studium aus Oxford, ein Englischstudium aus Indien oder ein Mathematikstudium aus Russland die Bildungsangebote deutscher Schulen und Hochschulen tangieren?“ Entwickelt sich dort abseits unserer Aufmerksamkeit mit digitalen Medien eine neue Hochschullandschaft, die uns irgendwann tangiert?

Wie wird es weiter gehen? Wir haben mit der UC einige mögliche Kooperationsinhalte und -ebenen besprochen. Die gilt es derzeit weiter auszuloten, d.h. wir sind auf der Suche nach einem Projektträger, damit wir unsere Vorhaben umsetzen können. Primär soll es hierbei um den Know-how-Transfer in der Medien- und Hochschuldidaktik von der Leibniz Universität Hannover zur UC gehen. Darüber hinaus bin ich gerne auch Ansprechpartner für jeden, der Interesse an der Zusammenarbeit mit der UC hat.

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Verlieren LMS im Web 2.0 an Bedeutung?

Dies war der Titel der 15. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival von André Stöhr als Gastherausgeber. Da mir dieses Thema durchaus am Herzen liegt, habe ich mein Statement abgegeben und dies hier nochmal zusätzlich veröffentlicht:

„Wir haben diese Frage als eLearning Service Abteilung (elsa) der Leibniz Universität Hannover schon ein paar Mal diskutiert. Als Betreiber eines LMS ist sie ja nicht unerheblich. Hierzu zuerst unsere Beobachtungen:

Unser LMS hat mit einer aktiven Nutzung von 70% der Lehrveranstaltung und 90% der Studierenden (mind. einmal im Monat eingeloggt) eine gute und die bisher höchste Auslastung. Derzeit verzeichnen wir also eher einen Trend hin als ein weg vom LMS. Auf der anderen Seite stellten wir fest, dass früher die Studierenden deutlich mehr die Möglichkeit zur Erstellung eines Steckbriefs, aber auch die eingebauten Kommunikationsfunktionen (Chat, eMail, Forum) genutzt haben. Fakt ist, dass die Communitys von Studierenden auf StudiVZ und Facebook verlagert wurden. Solche Rückmeldungen haben wir von den Studierenden auch persönlich bekommen. (Auf den Report weiterer Beobachtungen verzichte ich an dieser Stelle für eine kurze Beantwortung der Frage.)

D.h. für uns, dass das Web 2.0 seinen Tribut schon gefordert hat! Wir verstehen die Frage also nicht als zukünftiges sondern als derzeitiges Phänomen. Das forciert zwei neue Fragen:

1) Wird der Trend auch andere Funktionen des LMS betreffen, so dass unser LMS überflüssig wird?

2) Sollten wir diesen Trend aufhalten?

Zu 1) Das LMS stellt für unsere Lehrenden und Studierenden einen zentralen Ort dar, in dem sie z.B. urheberrechtlich geschützte Lernmaterialien zum Download hoch- und runterladen, nach allen Lehrveranstaltungen an unserer Hochschule recherchieren oder Anmeldeverfahren zu Lehrveranstaltungen initiieren und absolvieren können. Eine Adresse für alle Belange, die mit der Lehre an unserem Standort verknüpft sind und einen gesicherten Raum im WWW bietet.

Wir glauben, dass diese Bündelung von Informationen und Diensten durch einzelne Web-2.0-Anwendungen im Internet nicht zu übertreffen ist. Sehr wohl glauben wir, dass die eine oder andere Anwendung sich zukünftig noch ins Web 2.0 verlagern könnte, da die Angebote dort attraktiver sind. Unser Wikiwiki ist rudimentär, durchaus denkbar, dass die Entwicklungen schneller laufen und neue Lösungen bieten werden, die wir so nicht bereitstellen können.

Zu 2) Sollten wir diesen Trend aufhalten? Njein: Nein dann, wenn wir auch mittelfristig nicht in der Lage sind nachgefragte Dienste anzubieten. Ich glaube, wir könnten das auch kaum aufhalten, die Trends laufen einfach schneller als wir reagieren können. Eher möchten wir hier laufenden Trends zuarbeiten. Derzeit entwickeln wir für unser LMS eine API über die mobile Apps und Gadgets zugreifen können und sich so dediziert Informationen aus unserem System ziehen können. Das würde der Gestaltung von PLE zuträglich sein. Der Student hat z.B. eine PLE, in der er sich alle LMS relevanten Informationen darstellen lässt, mit seiner Lerngruppe auf Facebook kommuniziert und auf Cobocards zugreift. Auf der anderen Seite diskutieren wir derzeit, ob man Facebook & Co. in das LMS einbinden sollte. Wenn ein Student möchte, kann er statt unseres Steckbriefs einen anderen einbinden. Die Lösung liegt nahe, es sprechen aber durchaus strategische (Wollen wir Facebook & Co. auch noch eine Werbefläche bei uns bieten?) und sicherheitstechnische Aspekte dagegen.“

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eLearning-Services: Zentral contra Dezentral?

Zum Auftakt – Historisches: eLearning-Services an Hochschulen sind eine junge Erscheinung. Im Falle der Leibniz Universität Hannover verhält es sich so: Nachdem die ersten eLearning-Projekte zeigten, was machbar und finanzierbar ist, wuchs das Verständnis dafür, dass der Einsatz von digitalen Medien in der Lehre kein Selbstläufer ist. So haben wir 2004 im ELAN 2 Projekt damit angefangen für drei Hochschulen – die TU Braunschweig, die Medizinische Hochschule Hannover und die Leibniz Universität Hannover – so genannte eLearning Services bereitzustellen. Das interdisziplinäre eLearning-Service-Team (eLT) war im Forschungszentrum L3S angesiedelt und beriet die Lehrenden an den einzelnen Standorten – wenn man so will, dezentral.

Das hatte neben einigen Nachteilen etliche Vorteile: Lernmanagementsysteme wurden nur an einem Standort aufgebaut und allen anderen Hochschulen ebenfalls bereitgestellt, die Mitarbeiter hatten einen Kollegenkreis in dem sie sich austauschen konnten und für viele Fragestellungen waren Spezialisten vorhanden (ein Kollege war auf WBT spezialisiert, der nächste auf LMS). Es entstanden so in einem Bereich hoher Spezialisierungen die viel beschworenen Synergieeffekte. Später wurde das eLearning-Service-Team (eLT) in die eLearning Services Abteilung (elsa) überführt und war ab 2005 nur noch für die Leibniz Universität Hannover zuständig. Damit einher gingen viele Kompetenzen verloren. Jede Hochschule besann sich damals auf das, was sie am besten konnte. Darüber hinaus wurden Basisdienste vielfach parallel aufgebaut (z.B. Stud.IP).

Heute sehen sich die mit den eLearning Services Betrauten mit hohen Anforderungen konfrontiert. Kleine interdisziplinäre Teams sorgen – neben umfangreichen organisatorischen und Hochschulpolitischen Aufgaben – für die Bereitstellung der Lerntechnologien und für die Beratung sowie Schulung von Hochschullehrenden. Dabei werden sie mit immer mehr Lerntechnologien betraut. Reichte 2005 noch ein Lernmanagementsystem, sind heute mind. zwei Systeme im Einsatz, um die unterschiedlichen Anforderungen der Fakultäten zu bedienen. Darüber hinaus sind Wiki-Farmen, ePortfolios, Podcast-Portale, eAssessment-Systeme und Social Networks hinzugekommen. Den einzelnen Mitarbeitern bleibt dabei wenig Möglichkeit sich tiefergehend mit den Lerntechnologien auseinanderzusetzen. Die Wartung besonders wenig genutzter Systeme wird vernachlässigt, neue Systeme nicht mehr aufgesetzt und didaktische Beratung kann kaum noch tiefergehend geleistet werden. Während früher Lehrveranstaltungskonzepte entwickelt wurden, werden heute die Lehrenden mit schriftlichen Handreichungen versorgt.

Brauchen wir deswegen wieder zentrale Strukturen? Nein, aber ich sehe ein großes Potenzial in der Kooperation der Hochschulen untereinander. Besonders bei  Webbasierten-Systemen kann ein florierender Austausch praktiziert werden. Eine Hochschule spezialisiert sich auf die Bereitstellung, Schulung und Beratung von ILIAS, die Nächste nimmt sich LON-CAPA vor und eine weitere Hochschule fokussiert auf das Educasting. So ließen sich auf einer professionellen Basis besonders jene Lerntechnologien und didaktischen Kompetenzen vorhalten, die nicht so oft an einem Standort nachgefragt werden. Der Austausch bedarf natürlich einer Struktur: Eine kleine zentrale Einheit kümmert sich um die Koordination dieses Prozesses und die Bewerbung der eLearning-Services an den einzelnen Standorten.

In Niedersachsen böte sich hierfür der ELAN e.V. an. Leider zögern besonders große Hochschulen derzeit dem ELAN e.V. beizutreten, denn die Höhe des Mitgliedsbeitrages richtet sich nach der Anzahl der Studierenden, was zu hohen Beiträgen führt. Durch die Bereitstellung von eLearning-Services, die am eigenen Standort bereits vorhanden sind, könnten jedoch gerade diese Hochschulen ihre Dienstleistung als Mitgliedsbeitrag verrechnen lassen. Ihr Gewinn: Eigene eLearning-Services könnten durch einen überschaubaren Mehraufwand deutlich ausgebaut werden. Kleine Hochschulen, die oftmals kaum personelle Ressourcen für das eLearning bereitstellen, könnten hingegen durch einen kleinen Beitrag auf die gleichen Lerntechnologien zurückgreifen, wie die großen Hochschulen. Synergieeffekte, die genutzt werden sollten!

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Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (3/3): Ein neues Selbstverständnis

Dieser Text ist eine Fortsetzung von Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (2/3): Professionelle Bildung:

Was wäre, wenn solche Bildungsangebote zukünftig als Distance Learning umfangreich, erschwinglich und weltweit über das Internet angeboten würden? Wenn ein MBA-Studium aus Oxford, ein Englischstudium aus Indien oder ein Mathematikstudium aus Russland die Bildungsangebote deutscher Schulen und Hochschulen tangieren? Dann verändert sich die Bildungslandschaft fremdbestimmt. Die Chancen der frühen Stunde wären passé und den Wandel von der Industrie- zu Wissensgesellschaft hätten andere vollzogen, nicht wir.

Mein Fazit: Ich bin weder ein Bildungsökonom noch ein Bildungspolitiker, um hier eine ausgereifte Vorgehensweise darzulegen. Ich verstehe mich viel mehr als Mediendidaktiker – sowie stückweit natürlich auch als Ingenieur – und möchte mit diesen Szenarien zeigen, was didaktisch denkbar und machbar ist. Aus dem Vergleich mit den Ingenieurswissenschaften zeigt sich für mich, dass Innovationen in der Bildung nicht nur aus einer forschungsmethodischen Diskussion heraus erwirkt werden können. Innovationen können sich nur auf einer breiten und nachhaltigen Basis etablieren, wenn auch der Handlungsrahmen in der Bildungspolitik und den Bildungseinrichtungen erweitert würde.

Hierfür müsste sich auch das Selbstverständnis von Lehren und Lernen ändern: Lehren würde nicht mehr einer einzelnen Person überlassen, die mühselig Stunde für Stunde selbst vorbereitet, durchführt und das Lernergebnis bewertet. Lehrende würden mit professionellen Medien (Werkzeugen) den Unterricht für eine Zielgruppe gestalten und die vielen Aufgaben auf ein Team von Fachexperten und Fachdidaktikern aufteilen. Hierdurch würde eine Professionalisierung des Bildungsproduktes erwirkt und die Nachfrage nach Innovationen gestärkt. Wie bei Ingenieurswissenschaftlern (einem Autobauer, einem Informatiker, einem Bauingenieur) müsste mit jedem Bildungsangebot die Frage gestellt werden, was kann anders und besser gemacht werden als vorher um im Wettbewerb vorne mitzuspielen. Denn im Vergleich zu den Ingenieurswissenschaften stehen wir heute noch in einer Hofgarage und jeder bastelt seine eigenen Werkzeuge und mit denen dann seine eigenen Bildungsprodukte.

Zu guter Letzt: Die Pädagogik müsste für Innovationen in der Bildung einstehen. Eine vielerorts fortschrittkritische Haltung gegenüber neuer Methoden, Technologien und Bildungsstrukturen müsste einer konstruktiven Kritik weichen (z.B. ja zu Bologna, wie aber kann es besser werden?). Gemeinsames Ziel müsste es sein, die grundlegenden Strukturen für innovative Bildungsangebote zu schaffen, die den Ansprüchen einer erfolgreichen Wissensgesellschaft dienen. Zugegebenermaßen: Ein sehr ambitioniertes Ziel :-)

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Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (2/3): Professionelle Bildung

Dieser Text ist eine Fortsetzung von Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (1/3): Stattliche contra marktwirtschaftlicher Gesetze :

Mangelnder Wettbewerb sowie fehlende Handlungsspielräume hemmen demnach Innovationen in der Bildung. Denn schaut man sich Lehrende heute an, dann kann man konstatieren, dass sie alleine jede Unterrichtsstunde wie anno dazumal mühselig vorbereiten und durchführen (Wie viel didaktische Kreativität verbleibt wenn man 28 Stunden Unterricht pro Woche vorbereitet? Wie viel Zeit hat man sich in jedes Thema einzeln einzuarbeiten?). Jeder Lehrende erstellt seine eigenen Unterrichtsmaterialien, gemeinsam erarbeitete Unterrichtsmaterialien sind eher eine Seltenheit. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht der einzelne Lehrende als ultimatives Medium. Ein Budget für professionelle Werkzeuge – z.B. LMS, Simulationen, Animationen, Serious-Games oder gute Lehrfilme – steht kaum zur Verfügung.

In den Ingenieurswissenschaften werden hingegen professionelle Werkzeuge für die Arbeit bereitgestellt: Hochwertige Messgerät, CAD-Programme oder Simulationssoftware (z.B. elektr. Schaltungen oder mechan. Schwingungen) werden weiterentwickelt und unterstützen den Ingenieur bei einem permanenten Innovationsprozess. Einfache Arbeiten werden von den Werkzeugen übernommen, der Ingenieur kann sich neuen Aufgaben und Problemen der Konstruktion widmen. Darüber haben sich in jeder Fachdisziplin sehr unterschiedliche Spezialisierungen durchgesetzt.

Übertragen auf die Bildung hieße dies ein vollständig anderes Selbstverständnis: Nicht nur ein einzelner Lehrender wäre für eine definierte Gruppe von Lernenden für die didaktische Reduktion, für die Auswahl der Lernmedien und Methoden, für die Gestaltung des Veranstaltungsablaufs, für die Ergebnissicherung und für die Bewertung der Lernleistungen zuständig, sondern ein Team aus unterschiedlichen Fachexperten und Fachdidaktikern. Das Ziel dieses Teams müsste es sein, ein Bildungsangebot qualitativ hochwertig und kosteneffizient zu gestalten. Didaktische und technische Innovationen würden dem Team helfen das Bildungsangebot immer weiter zu optimieren. Es bedürfte aber auch einer anwendungsorientierten Forschung, die weder in der Anwendung wissenschaftlicher Methoden noch in ihrer Komplexität jene der Grundlagenforschung nachsteht. Denn für die Bildungswissenschaften – bzw. für die Teams in den Bildungseinrichtungen – müssten Lernszenarien und Lernmedien so aufbereitet werden, dass sie auch einfach umgesetzt werden können.

Sie halten diese Ausführungen für radikal? Bildungsarbeit ist und bleibt Handarbeit? Automatisierte Bildung ist unmenschlich? Es gibt Bildungseinrichtungen, die so schon heute erfolgreich im Wettbewerb stehen. Z.B. haben Sprachschulen die Zeichen der Zeit erkannt und setzen innovative Lernmethoden und Lernmedien für den Spracherwerb ein (z.B. www.wallstreetinstitut.com). Grammatik und Vokabelpauken war gestern. Heute erfassen ausgefeilte diagnostische Instrumente den Kenntnisstand der Lernenden, seine persönlichen Lernziele und Lerngewohnheiten. Der Lernende absolviert dabei keine aufeinander aufbauenden Sprachkurse mehr sondern arbeitet auf ein bestimmtes Sprachniveau hin. Durch die Interaktion mit digitalen Medien, durch Gruppenarbeit und dem Coaching des Sprachlehrers werden die selbstgesteckten Ziele Schritt für Schritt erarbeitet. Ein professionelles Team aus Sprachpädagogen und Mediendidaktikern erarbeitet entsprechende Bildungsangebote. Ein anderes Beispiel ist Scoyo (www.scoyo.de). Es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Angebot der klassischen Nachhilfe Konkurrenz machen wird (oder schon macht?). Was ist, wenn McDonalds mit jeder Kindertüte Gutscheine für 1 Freistunde Scoyo mitliefert? Werden wir dann unseren Kindern erklären, dass Burger essen schlecht ist für die Bildung oder fangen wir dann eine neue Grundsatzdebatte an?

Fortsetzung folgt…

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Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (1/3): Staatliche contra marktwirtschaftlicher Gesetze

Aus meiner Rezension des Buches „Der Nutzen wird vertagt …“ geht mir eine Aussage von Gabi Reinmann (Beitrag: „Innovationskrise in der Bildungsforschung“, S. 198-220) immer wieder durch den Kopf: Die Ingenieurwissenschaften haben gezeigt, wie erfolgreich eine verwertende Wissenschaft, basierend auf den Naturwissenschaften und der Mathematik, sein kann. Klar, dass diese Aussage mich besonders anspricht, denn ich bin über den Weg eines Ingenieursstudiums zur Berufspädagogik gekommen. Damit nicht genug, meine ersten 6 Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter habe ich u.a. in der Elektrotechnik am Institut für Kommunikationstechnik verbracht. Dort bin ich besonders mit der Lehre, aber auch mit der Forschung der Ingenieurswissenschaften, in Berührung gekommen. Noch heute halte ich dort eine Lehrveranstaltung.

Entsprechend kann ich der Argumentation von Gabi Reinmann gut folgen. Es stimmt, die Ingenieurswissenschaften haben ein gutes Standing: Das Studium gilt als schwer, wer es absolviert hat, gilt als intelligent und fleißig. Aus welchen Erkenntnissen speist sich eigentlich dieses Verständnis? Sicher aus dem, was die Ingenieurswissenschaften für die Gesellschaft sichtbar beigetragen haben und heute noch leisten: Ein Auto vor 100 Jahren ist mit einem heutigen Auto nicht mehr zu vergleichen (Bequemlichkeit, Verbrauch, Geräusch- und Schadstoffemission, Sicherheit, Preis, …). Ebenso die Kommunikationstechnik (1878 wurden die ersten Telefone entwickelt; 1969 Erfindung des Internets und 1993 des World Wide Webs) oder die Bautechnik (Passiv-Energie-Haus; 800 Meter hohe Wolkenkratzer). All diese Errungenschaften haben unser Leben nachhaltig verändert. Wir sind mobiler geworden, kommunizieren selbstverständlich über den gesamten Planeten hinweg und wohnen in wohl temperierten und komfortablen Gebäuden.

Aber wie verhält es sich mit den Innovationen der Bildungswissenschaften über diesen Zeitraum? Die Kreidetafel hängt noch an der Wand, feste Unterrichtseinheiten von 45 Minuten und Halbjahresrythmen teilen die Lerninhalte in kleine Häppchen auf und die Unterrichtsformen haben sich wenig geändert (noch immer domminiert in vielen Bereichen der Frontalunterricht). Ja, ein Beamer hat Einzug gehalten und vielleicht ein LMS, aber das hat das institutionalisierte Lernen nicht wesentlich verändert. Ein (Hoch-)Lehrer aus den Anfängen des 20 Jahrhundert könnte heute ohne groß dazuzulernen seinen Unterricht wieder aufnehmen. Für einen Ingenieur ist das in weiten Teilen undenkbar.

Ich möchte mit diesem Text den Beitrag von Gabi Reinmann jedoch nicht wiederholen, sondern auf einen – aus meiner Sicht sehr wichtigen – Sachverhalt aufmerksam machen. Losgelöst von einer forschungsmethodischen Diskussion möchte ich auf einen äußeren Umstand hinweisen, der meiner Meinung nach ebenfalls Ursache dafür ist, dass sich Innovationen in den Bildungswissenschaften nur schwerlich durchsetzen: Bildungsangebote unterliegen überwiegend staatlichen, die Produkte der Ingenieure überwiegend marktwirtschaftlichen Gesetzen. Es stehen monopolistische Strukturen (der Staat bestimmt das Geschehen) einem pluralistischen Wettbewerbsgeschehen gegenüber. Dieser Unterschied manifestiert sich in vielen Situationen, von denen ich hier zwei exemplarisch hervorheben möchte:

  1. Die Produkte der Ingenieurswissenschaften unterliegen einem permanenten Wettbewerb: Nur wer gute und bezahlbare Produkte herstellt kann sich behaupten. Die Notwendigkeit für Innovationen ist damit vielschichtig. Qualität (z.B. längere Haltbarkeit), neue Funktionen sowie geringere Produktionskosten sichern die Wettbewerbsfähigkeit am Markt und damit die eigene Existenz. Investitionen in Forschung und Entwicklung sind damit überlebenswichtig. Die überwiegend staatliche Bildung ist von diesem Innovationsdruck befreit. Weder die Qualität noch die Kosten müssen sich ernsthaft im Wettbewerb behaupten.
  2. Die Akteure der staatlichen Bildung unterliegen zentralistischen Regelungen: Gruppengrößen, Unterrichtsformen (45 Minuten Unterrichtseinheiten, Präsenzpflicht), Lerninhalte sowie Personal- und Mittelausstattung folgen festen Vorgaben. Selbst wenn eine Bildungseinrichtung sein Bildungsprodukt optimieren wollte, ihr Handlungsspielraum ist klein. Effizientere Unterrichtsmethoden, andere Aufgaben der Lehrenden, bessere Einteilung des Tagesablaufs, Bereitstellung digitaler Medien, Unterrichts-freundliche Möbel und Immobilien unterliegen nur geringfügig ihrem Einflussbereich.

Fortsetzung folgt…

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eLearning-Strategie die Letzte?

Von unserem CIO gab es vor einiger Zeit den Auftrag, die eLearning-Strategie für unsere Hochschule zu überarbeiten. Grund dafür war, dass die eLearning-Strategie aus dem Jahre 2007 darauf ausgerichtet wurde, die über mehrere Projekte aufgebauten eLearning-Services zu verstetigen. Im Vordergrund stand damals die Begründung für die Etablierung von eLearning sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Die wohl wichtigsten Maßnahmen waren die Überführung der eLearning Service Abteilung (elsa) in eine feste Einrichtung sowie die nachhaltige Bereitstellung ausgewählter eLearning-Services.

Jetzt verhält es sich so, dass ein großer Teil der Maßnahmen umgesetzt sind und etliche Ziele durchaus erreicht wurden (z.B. wird in 70% der Lehrveranstaltungen Stud.IP genutzt). Nach der jetzigen Konstellation ist die eLearning-Strategie zwar noch richtungsweisend (sie enthält natürlich auch strategische Elemente), der Arbeitsalltag zeigt jedoch Schwächen und verlangt nach einer grundsätzlichen Klärung der Frage: Wohin wollen wir in den nächsten Jahren gehen? Das LMS ist etabliert, Beratung und Support gibt es, Medientechnik ist verfügbar und Aufzeichner können gebucht werden – braucht man da noch strategische Ziele oder geht es jetzt primär um die Erbringung von Dienstleistungen?

Diese Fragen stellen nicht wir, sondern sie werden an uns innerhalb unserer Hochschule herangetragen (Wir sind viel mehr der Meinung, dass wir im eLearning noch lange nicht am Ende der Entwicklungen angekommen sind). Mit dem einher folgt dann auch eine immer wieder aufkommende organisatorische Frage: Wo wird die elsa zukünftig angesiedelt? Für mich scheint es deswegen in dieser Diskussion um eine ganz andere Sache zu gehen: Für große universitäre Einrichtungen sind wir inzwischen ein leckeres Häppchen, was es entweder ganz oder in Teilen einzuverleiben gilt. Einige Einrichtungen wittern scheinbar Prestige, mit dem man sich im täglichen Verteilungskampf um Stellen- und Finanzmittel stärken kann. Denn wer erfolgreiche Services bereitstellt, dem rückt man mit Stellenkürzungen und Umstrukturierungen nicht so schnell zu Leibe.

Es zeigt sich somit, dass mit einer neuen eLearning-Strategie mehr Fragen zu klären sind, als die Frage: Wohin soll die Reise gehen? Primär wird es für uns darum gehen, vor allen Dingen zu zeigen, wie wir eLearning an dieser Hochschule gedenken weiter zu etablieren und neue Entwicklungen einbinden. Aus der Diskussion mit den Kollegen ergeben sich für mich deswegen derzeit die folgenden Eckpfeiler der eLearning-Strategie:

  • Wenn die elsa bis jetzt all die vielen eLearning-Innovationen selektiert und aufgearbeitet hat, dann muss Forschung und Entwicklung eine zentrale Aufgabe werden.
  • Weil eLearning so interdisziplinär ist, berühren viele eLearning-Services die unterschiedlichsten Abteilungen dieser Hochschule (z.B. Medientechnik das Baudezernat, Stud.IP das Hochschulverwaltungssystem, Mediendidaktik die Hochschuldidaktik). Der elsa muss deswegen eine Rolle als Innovationsmotor und -moderator zugesprochen werden. Innovation müssen mit den unterschiedlichen Abteilungen verbindlich angegangen werden.
  • Die elsa mit einem interdisziplinären Leitungsteam zu koordinieren, hat sich bewährt. Das gewährleistet, dass Entscheidungen und Entwicklungen von allen fachlichen Belangen aus abgewogen und später auch gemeinsam getragen werden. Dies gilt es fortzuführen und die elsa als eigenständige Abteilung beizubehalten.
  • Wenn Services dazu kommen sollen, wie finanziert sich das? Wir treten für eine Leistungskostenrechnung ein, brauchen aber auch Freiräume für Innovationen.
  • Last but not the least: Wir müssen weg vom eLearning und hin zu einer Qualitätsverbesserung der Lehre durch die Unterstützung mit digitalen Medien. Dies impliziert, dass wir eLearning an der Leibniz Universität Hannover als eine hochschuldidaktische Aufgabe verstehen. Auch wenn organisatorische, juristische und technische Fragen einen großen Teil unserer täglichen Arbeit ausmachen, die Unterstützung der Lehrenden und Studierenden ist die zentrale Aufgabe.

Letzter Punkt zeigt, wohin die Reise gehen muss: Digitale Medien müssen zur Unterstützung von Vorlesungen, Seminaren, Laboren, Schlüsselkompetenzen sowie für kompetenz- und projektorientierte Studiengänge eingesetzt werden. Wir können eLearning nicht mehr losgelöst von den einzelnen didaktischen Belangen denken, sondern immer nur als ein Teil eines Gesamtkonzeptes.

Dies impliziert, dass didaktische Beratung nicht mehr separat in mediendidaktische Beratung, Förderung von Schlüsselkompetenzen oder zur kompetenzorientierten Studiengangsentwicklung geführt wird. Ebenso verhält es sich mit der hochschuldidaktischen Fortbildung. Angebote wie z.B. „Vorlesungen gestalten“ und „Vorlesungen mit eLectures unterstützen“ müssen zusammengeführt werden. Erst so lässt sich eLearning weiter in die Breite bringen und Lerntechnologien auch letzten Endes für gute Lehre und nicht „nur“ zur organisatorischen Entlastung der Lehrenden und Studierenden einsetzen.

Deswegen bin ich der Meinung, dass unsere Strategie in einer Gesamtstrategie für die Hochschuldidaktik münden muss. Und so hoffe ich insgeheim, dass dies die letzte eLearning-Strategie wird, die ich für diese Hochschule schreibe 🙂

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campusemerge 2010 – eLearning Hochschullehrpreis für Niedersachsen

Projekt: Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) fördert derzeit einen Hochschullehrpreis, der dem Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre gewidmet ist. Das Vorhaben wird vom KHN (Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik in Niedersachsen) sowie dem ELAN e.V. mit viel Geschick umgesetzt. Derzeit können 27 Einreichungen als Video angesehen und von jedem bewertet werden. Einfach bei www.campusemerge.de auf die Web-Site und sich einen Login geben lassen.

Meinung: Ich habe inzwischen alle 27 Beiträge angesehen, bewertet und muss sagen: Ich bin entzückt! Klar, viele Sachen sind für mich nicht neu, aber trotzdem freue ich mich über die vielen Beiträge, die mit Liebe und Fleiß digitale Medien in der Lehre eingebunden haben. Im Vordergrund der Konzepte stehen fast immer die Studierenden und die Ansätze verfolgen größtenteils eine stärkere Lernerorientierung. Viele Teilnehmer haben den Mehrwert der digitalen Medien erkannt und geschickt mit ihrer Präsenzlehre verknüpft.

Idee: Nebenbei ist eine Sammlung von Beispielen für den Einsatz digitaler Medien entstanden, die die unterschiedlichsten Fachwissenschaften und Lernziele fassen. Besonders in der eLearning-Beratung, aber auch in den Schulungen, kann ich mir den Einsatz dieser Videos sehr gut vorstellen. Warum? Sie sind authentisch, kurz, prägnant und bringen so das Konzept sowie die Mehrwerte der Konzepte gut rüber. Außerdem ist es immer was ganz anderes, wenn ein Dozent entsprechende Konzepte vorstellt, als wenn ein ausgebildeter Mediendidaktiker dies tut. Denn die Unsicherheit bei vielen Lehrenden ist groß: Kann ich das auch, ich bin ja kein Didaktiker? Das ist doch alles nur Theorie, was der Berater da mitbringt! Hat er das je selbst ausprobiert? Diesen Unsicherheiten dürften sich mit den Videos gut begegnen lassen und zum eLearning motivieren. Klar, danach muss dann eine gründliche Konzeptentwicklung erfolgen, damit die Lernziele auch erfolgreich erreicht werden.

Fazit: Glückwunsch an die vielen KHN und ELAN e.V. Akteure! Weiter so!