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Didaktische Videoclips – nicht nur für die Beratung

Die didaktische Beratung von Lehrenden ist für uns Medien- und Hochschuldidaktiker eine große Herausforderung, denn Lehrende sind vorsichtig beim Annehmen eines Rates. Dazu haben die Lehrenden ein gutes Recht, denn der Beratende kennt die Lehr-/Lernbedingungen nicht und beherrscht meist auch das gelehrte Fach nicht. Wie soll er aus Sicht der Lehrenden dann einen konstruktiven Beitrag zur Optimierung der Lehre leisten? Damit Beratung zum Erfolg führt bedienen wir uns jedoch einer Vorgehensweise, die diese Rahmenbedingungen berücksichtigt und ähnlich auch in anderen Beratungsfeldern üblichen ist:

  1. Die Beratung beginnt mit einem Frage- und Antwortdialog, wodurch sich der Beratende in den Lehrenden sowie in seine Lehre hineinversetzt.
  2. Anhand der dabei gewonnenen Erkenntnisse identifiziert sie oder er aus einem Repertoire an Methoden & Medien jene, die dessen Lehre unterstützen können.
  3. Die passenden Methoden & Medien muss der Beratende überzeugend vorstellen und dann
  4. wiederum mit dem Lehrenden diskutieren, ob der Vorschlag ein praktikabler Ansatz für seine Lehre ist.
  5. Dieser Prozess wird so lange wiederholt, bis für den Lehrenden eine oder mehrere didaktische Ansätze identifiziert werden konnten und…

… die Beratung weitergeführt werden kann. Denn danach gilt es die Lehre auf die neuen didaktischen Ansätze vorzubereiten, durchzuführen und anschließend dessen Wirksamkeit zu evaluieren. Auf diese Schritte möchte ich hier nicht weiter eingehen, sondern den Blick auf die Schritte 1. bis 4. lenken. Denn die Beratung bedarf hier viel Empathie, Kreativität, Moderationstechniken und des Transfers didaktischer Kenntnisse – eine kognitiv sehr anstrengende Tätigkeit. Um den Beratenden zu unterstützen haben wir im N2E2-Projekt überlegt, welche Werkzeuge ihr oder ihm dabei an die Hand gegeben werden können.

Schnell wurde in der Diskussion der Schritt 3. als jener im Beratungsprozess identifiziert, der einer Unterstützung bedarf. Denn das Vorstellen eines didaktischen Ansatzes kann vom Beratenden nur sehr eindimensional erfolgen: Er kann die Methode und das Medium prinzipiell erklären und versichern, dass dies ein wirkungsvoller Ansatz ist. Er kann aber nicht authentisch die Meinung eines Lehrenden wiedergeben, zeigen, wie die Studierenden im Lehr-/Lernprozess mit dem didaktischen Ansatz umgehen und wie sich das Zusammenspiel Lehrender, Studierende, Methode und Medium darstellt. All das kann jedoch mit einem „didaktischen Videoclip“ geleistet werden, wofür ich nachfolgend ein Beispiel eingebunden habe:

Weitere Beispiele können im elsa Didaktik YouTube-Kanal abgerufen werden und sind per Creative Commons für eine nichtkommerzielle Wiederverwendung freigegeben.

Unsere didaktischen Videoclips haben ein immer wiederkehrendes Format: Lehrende werden zu einem didaktischen Ansatz befragt, dieser wird anhand des gefilmten Lehr-/Lerngeschehens expliziert und abschließend werden der Lehrende – und ggf. auch Studierende – um ein Statement gebeten. Solch eine Informationsverdichtung und Authentizität kann ein didaktisch Beratender nicht leisten.

Meine Erfahrungen mit den didaktischen Videoclips sind durchweg positiv. Sie geben den Lehrenden den gewünschten authentischen Einblick in den Lehr-/Lernprozess und dem Beratenden eine kleine Pause während der Beratung. Für mich fühlt es sich an, wie ein sehr kraftvolles Werkzeug und es scheint, dass der Beratungserfolg höher ist als ohne Videoclip. Untersuchungen zur Wirksamkeit habe ich nicht zu bieten, hier identifiziert sich folglich ein Forschungsthema. Der Blick auf die Kosten zeigt, dass durchschnittlich 2 Arbeitswochen (80 Zeitstunden) für die Produktion eines didaktischen Videoclips zu kalkulieren sind. Für eine einzelne Beratungsstelle hohe Kosten. Es empfiehlt sich mit mehreren Beratungsstellen zusammen didaktische Videoclips zu produzieren und diese gemeinsam zu nutzen.

Zu guter Letzt: Ich habe die Begründung „für“ didaktische Videoclips anhand der Anforderungen in der didaktischen Beratung vorgenommen. Sie dienen uns darüber hinaus, um auf Web-Seiten Methoden & Medien vorzustellen sowie Informationsveranstaltungen für Lehrende mit praktischen Beispielen aufzulockern. Auch hier halte ich sie für ein wichtiges Werkzeug, um die Lehrenden zu motivieren neue Methoden & Medien einzusetzen und dadurch die Qualität der Lehre nachhaltig zu verbessern.

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Pre-Print „Der Mehrwert von Vorlesungsaufzeichnungen als Ergänzungsangebot zur Vorlesung“

Click für Demo

Dem Einen oder dem Anderen habe ich sich schon von unserer Erhebung aus dem SoSe 2010 erzählt. Dort haben wir bei über 600 Studierenden und 10 Lehrenden in ebenso vielen Lehrveranstaltungen eine Studie durchgeführt, die den Mehrwert von Vorlesungsaufzeichnungen als Ergänzungsangebot zur Vorlesung erfasste.

In diesem Post stellen wir nun den Pre-Print (click zum Download) unserer Studie bereit. Die hier veröffentlichten Inhalte sind vorläufige Evaluationsergebnisse, denn derzeit überarbeiten wir noch den Text, insbesondere das Kapitels „4. Beantwortung der Forschungsfragen“.

Über Feedback im Allgemeinen und zur Darstellung der Evaluationsergebnisse im Speziellen sind wir deswegen sehr dankbar. Darüber hinaus suchen wir derzeit eine Zeitschrift, um die Evaluationsergebnisse möglichst vollständig veröffentlichen zu können. Angebote und Hinweise hierfür nehmen wir dankend entgegen.

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Keine Bildung ohne Medien! – Resümee

Wie im letzten Blogbeitrag bereits angekündigt, war ich auf dem Medienpädagogischen Kongress mit dem Thema „Keine Bildung ohne Medien!“ in Berlin. Der erste Tag war sehr interessant und es hat viel Spaß gemacht unter der Leitung von Silvia Sippel und Alexander Florian in der AG „Medienbildung in der Hochschule“ mitzuwirken. In Vorbereitung zum Kongress wurden von der AG bereits 12 Statements erarbeitet, die hier zusammengefasst eingesehen werden können.

Wir waren ca. 25 Teilnehmer in der AG und so ergab es sich, dass wir in zwei Kleingruppen gut unsere medienpädagogischen Forderungen erarbeiten konnten. Während die eine Gruppe eher die Förderung von Medienkompetenz im Auge hatte, war ich in der Gruppe, die Mediendidaktische Forderungen erarbeitet hat. Schön war es am Ende des Nachmittags, dass wir die Forderungen (siehe AG Medienbildung in der Hochschule) der beiden Gruppen sehr gut vereinbaren konnten. Wir haben uns bemüht konkret zu bleiben, es hätte aber auch konkreter sein können. Leider war am Schluss nicht mehr so viel Zeit, dass wir den Text hätten schärfen können. Trotzdem denke ich, dass er elementare Aspekte enthält, um das Thema Medienbildung in der Hochschule vorwärts zu bringen.

Für mich als Mediendidaktiker war die starke Präsenz jener Kollegen nicht zu übersehen, die für die Vermittlung einer adäquaten Medienkompetenz einstehen. Wir Mediendidaktiker bildeten definitiv eine Randgruppe. Damit einher wurde auf der Tagung Mediendidaktik nicht wirklich thematisiert, womit der zweite Tag der Veranstaltung für mich nicht so attraktiv war. Ich mache hier niemandem einen Vorwurf, denn erfahrungsgemäß liegt es ja auch daran, dass die Mediendidaktiker sich nicht hinreichend eingebracht haben.

Über die Wirkung der Veranstaltung in der Öffentlichkeit kann ich nicht viel sagen. Mir fehlen die Erfahrungen über die Medienwirksamkeit solch eines Events, um mir ein Urteil bilden zu können. Ich habe aber mitbekommen, dass die Organisatoren die Ergebnisse gezielt Politikern und Journalisten zukommen lassen werden. So hoffe ich, dass unsere Forderungen gehört, gelesen und umgesetzt werden.

Danke an dieser Stelle den Veranstaltern, insbesondere Prof. Dr. Horst Niesyto, dem Sprecher der Initiative, für den unermüdlichen Einsatz!

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Keine Bildung ohne Medien!

Auch ich habe mich an dem medienpädagogischen Kongress „Keine Bildung ohne Medien!“ mit einem Beitrag beteiligt. Am 24.3.2011 werde ich meinen Beitrag für die AG „Medienbildung in der Hochschule“ in gekürzter Form vortragen. Der vollständige und schriftliche Beitrag kann hier als PDF heruntergeladen werden: Keine Lehre ohne digitale Medien! (582 KB)

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Dissertation online und/oder gedruckt!?

Am 1. Oktober 2010 hatte ich meine Verteidigung an der Universität der Bundeswehr (UniBW) in München. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an meine Doktormutter Prof. Dr. Gabi Reinmann für die tolle Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen!

Jetzt ist meine Arbeit veröffentlicht und das gleich zwei Mal. Zuerst hatte ich mich für die elektronische Publikation in der Bibliothek der UniBW entschieden. Das ist einfach, geht schnell und kostet nichts. Außerdem kann so jeder die Arbeit kostenlos herunterladen und damit arbeiten. Darüber hinaus ergab sich nach ein paar Wochen die Gelegenheit, meine Arbeit beim Verlag Werner Hülsbusch (vwh) in der Reihe E-Learning noch mal als gedrucktes Buch zu veröffentlichen. Im Zeitalter von Open Access stellt sich natürlich die Frage: Warum noch mal einen Verlag einbinden? Warum ein Buch drucken, wenn Download so einfach ist?

Ich kann beiden Varianten der Veröffentlichung etwas abgewinnen: Der Elektronischen aus den bereits genannten Gründen: Einfach, praktisch, billig und schnell. Auch ich habe während meiner Dissertation – aber auch als Student – gerne in elektronisch publizierte Dissertationen geschaut. Das ist praktisch, wenn einen nur ein Teilaspekt der Publikation interessiert (z.B. die thematische Eingrenzung oder das Forschungsdesign). Man hat einen schnellen Zugriff. Wenn man will druckt man sich die wichtigsten Inhalte aus und muss nicht das gesamte Werk kaufen oder leihen.

Will ich jedoch ein Buch gründlich lesen und dabei auch hin und her springen, dann finde ich es gedruckt und gebunden von der Handhabung her unschlagbar. Ich kann einfach einen Stift auf einer Seite liegen lassen, hinten blättern und schnell wieder vorne, z.B. in der Abbildung, was nachschauen. Darüber hinaus bleibt durch das Buch mein Rechner frei. Ich kann also Notizen in Word aufnehmen und habe dabei den Text trotzdem vor mir liegen. Beim Rechner müsste ich den PDF-Reader mit dem Text  wegclicken.

Auch hat ein Buch eine räumliche Dimension: Ich finde es im Regal schneller wieder als in meiner Ordnerhierarchie von PDF-Dokumenten (es steht nicht nur bei dem Thema XY sondern neben Z) und kann mir durch die Dicke besser merken, ob etwas am Anfang, in der Mitte oder am Ende stand. All diese physischen Erfahrungen habe ich mit einem PDF-Dokument nicht. Hinzu kommt, dass das lange Lesen an einem aktiv leuchtenden Bildschirm mühselig ist und die Körperhaltung nur bedingt geändert werden kann.

Der Hauptgrund aber, die Dissertation über einen Verleger (BTW: Ich kann den Verlag Werner Hülsbusch sehr empfehlen!) zu veröffentlichen, war, dass durch dessen Bewerbung sie auch an Personen herangetragen wird, die mich nicht kennen und/oder in dessen Kreisen ich mich nicht bewege. Darüber hinaus wird sie in der Reihe E-Learning veröffentlicht, so dass sie auch in den Kontext anderer  Arbeiten gestellt wird. Denn genau das ist es, was bei der Veröffentlichung auf dem Bibliotheksserver der UniBW nicht passiert.

So finde ich es immer noch sinnvoll Veröffentlichungen in Buchlänge auch zu drucken. Dem Leser steht es dann frei es am Bildschirm, auf dem iPad, auf dem Handy, ausgedruckt oder als gebundenes Buch – ob geliehen oder gekauft – zu lesen. Ich mache ungerne Prognosen, aber ich glaube das gedruckte Bücher uns in vielen Bereichen auch in Zukunft weiterhin beglücken werden. Abschließend stelle ich den an meiner Dissertation Interessierten vor die Wahl, online und/oder gedruckt (?):

  • Krüger, M. (2011) Selbstgesteuertes und kooperatives Lernen mit Vorlesungsaufzeichnungen: Das Lernszenario VideoLern – Eine Design-Based-Research-Studie. Verlag Werner Hülsbusch, Boizenburg
  • Krüger, M. (2010). Das Lernszenario VideoLern: Selbstgesteuertes und kooperatives Lernen mit Vorlesungsaufzeichnungen. Eine Design-Based-Research Studie. Download hier
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Paraguay: Universidad Catolica Nuestra Señora de la Asunción

Vom 28.2. bis zum 18.3. hatte ich eine Dienstreise der besonderen Art: Ich war an der „Universidad Catolica Nuestra Señora de la Asunción“ in Paraguay, im folgenden UC abgekürzt. Die Reise war Teil einer Anbahnungsmaßnahme für die bilaterale Kooperation in Forschung und Technologie mit dem Schwerpunkt Further Education und E-Learning, gefördert vom Internationalen Büro des BMBF. Die Zeit vor Ort war dicht gepackt mit dem Kennenlernen von Entscheidungsträgern (Präsident, Dekane, Institutsleiter), mit Vorträgen über die Mehrwerte von digitalen Medien in der Lehre sowie mit Diskussionen über mögliche Kooperationsinhalte und -ebenen. Ohne hier die lange Vorgeschichte zu erzählen sowie einen vollständigen Bericht über den Aufenthalt abzuliefern, hier meine Eindrücke zu Bildungsfragen:

  • Paraguay (6,4 Millionen Einwohner) hat in den letzten Jahren ein sehr gutes Wirtschaftswachstum von 7-10 %/Jahr hingelegt. Es wird im Fahrwasser von Brasilien mitgezogen, welches sich schon seit vielen Jahren wirtschaftlich stark entwickelt. Entsprechend steigt der Lebensstandard in Paraguay, es werden Fabriken aufgebaut und es wird exportiert. Das bedarf immer mehr gut ausgebildeten Nachwuchs, den das Land nicht hat. Es herrscht folglich ein Akademikermangel, den es zu begegnen gilt. Entsprechend hat sich die Zahl der Universitäten in den letzten 10 Jahren von 2 auf 20 verzehnfacht. Zum Teil sind es Universitäten, die aus dem Land heraus gegründet wurden, zum anderen Teil aber auch Universitäten, die aus den USA und Spanien kommen.
  • Universitäten sind überwiegend privat: In Paraguay gibt es nur eine öffentlich finanzierte Universität in der auch Forschung betrieben wird. Das ist die Universidad Nacional de Asunción. Alle weiteren Hochschulen sind privat oder wie im Fall der UC in kirchlicher Trägerschaft. Ob privat, kirchlich oder staatlich, ohne Studiengebühren geht es nicht. Für eine gute Universität sind 200 US$/Monat üblich, billigere Universitäten (die vom Niveau den Titel eigentlich nicht mehr verdienen) nehmen immerhin noch 70 US$/Monat. Die Finanzierung der Hochschulen ist somit entweder  selbsttragend oder gewinnorientiert.
  • Hochschullehrer an der UC verdienen Vollzeit ca. 1000 US$/Monat. Damit kann man in Paraguay leben, seine Kinder aber keineswegs auf eine Universität schicken. Dementsprechend arbeiten fast alle Lehrenden halbtags an der Universität, die andere Hälfte sind sie selbständig. Hier der monatlich – mehr oder minder – regelmäßige Geldfluss, dort die Möglichkeit mit Geschäften mehr Geld zu verdienen.
  • Distance Education hat in Paraguay eine hohe Akzeptanz: Ein Teil der Hochschulangehörigen hat ihre weiterführende Qualifikation (Master, Promotion) über diesem Wege erworben. Entweder in den USA oder in Spanien.

Vor diesen Hintergründen, die sich von unserem Bildungsgeschehen stark unterscheiden, bekommen Further Education und E-Learning einen ganz anderen Stellenwert. Dem Mangel an Akademikern muss über den Ausbau der Bildungskapazitäten, aber auch über die Weiterbildung des bestehenden Personals, begegnet werden. Da hierfür nur bedingt Geld vorhanden ist – das scheint sich von dt. Bildungssystem nicht zu unterscheiden 😉 – müssen Lösungen her, die kostengünstig sind.

Distance Education ist hierfür eine Lösung. Es spart an zwei Stellen finanzielle Ressourcen ein: A) Es müssen weniger Immobilien vorgehalten werden und B) es können auch Menschen aus dem Umland studieren, die kein Geld für das Leben am Studienort haben. Letzteres ist in einem Flächenland wie Paraguay ein sehr gewichtiges Argument. Denn wer sein gesellschaftliches Umfeld verlassen muss ist mit vielen Mehrkosten konfrontiert, die er Zuhause nicht hat, z.B. Unterkunft, Essen sowie Arbeitsausfall im familiären Betrieb.

Stellt man für E-Learning nicht den Anspruch an die IT-Infrastruktur, HD-Streaming in Echtzeit zu leisten, kann diese als hinreichend gewertet werden. Jede kleine Ortschaft hat heute ein gut funktionierendes Mobilfunknetz, welches auch den Internetzugang gewährleistet. Wer ganz weit auf dem Land wohnt, dem bleibt nur der Aufbau einer Richtfunkstrecke oder die Fahrt in den nächsten Ort. Grundsätzlich ist E-Learning also möglich.

Das sehen die Entscheidungsträger in den Hochschulen auch so. Einige private Universitäten haben bereits Studiengänge im Angebot (z.B. die Universidad Autónoma de Asunción), die UC steht da in den Startlöchern. Die Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt, sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Es scheint, dass besonders die Lehrenden mit dieser Art der Lehre nicht klar kommen. Gründe sind einerseits in der mangelnden didaktischen Qualifizierung zu suchen, andererseits in den Einstellungen der Lehrenden. Meine Aufenthaltsdauer vor Ort war aber einfach zu kurz, um hier umfangreiche und verlässliche Erkenntnisse liefern zu können.

Darüber hinaus ist zu beobachten, dass US-amerikanische und spanische Universitäten versuchen den Bildungsmarkt zu erschließen. Hierfür verwenden sie natürlich E-Learning und es ist zu erwarten, dass sie das passende Know-how haben, um mit den Lerntechnologien auch erfolgreiche Bildungsangebote zu erarbeiten.

All diese Beobachtungen stärken meine Gedanken, die ich schon in einen älteren Blogbeitrag formuliert habe: Was ist, wenn „ein MBA-Studium aus Oxford, ein Englischstudium aus Indien oder ein Mathematikstudium aus Russland die Bildungsangebote deutscher Schulen und Hochschulen tangieren?“ Entwickelt sich dort abseits unserer Aufmerksamkeit mit digitalen Medien eine neue Hochschullandschaft, die uns irgendwann tangiert?

Wie wird es weiter gehen? Wir haben mit der UC einige mögliche Kooperationsinhalte und -ebenen besprochen. Die gilt es derzeit weiter auszuloten, d.h. wir sind auf der Suche nach einem Projektträger, damit wir unsere Vorhaben umsetzen können. Primär soll es hierbei um den Know-how-Transfer in der Medien- und Hochschuldidaktik von der Leibniz Universität Hannover zur UC gehen. Darüber hinaus bin ich gerne auch Ansprechpartner für jeden, der Interesse an der Zusammenarbeit mit der UC hat.

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eLearning-Strategie die Letzte?

Von unserem CIO gab es vor einiger Zeit den Auftrag, die eLearning-Strategie für unsere Hochschule zu überarbeiten. Grund dafür war, dass die eLearning-Strategie aus dem Jahre 2007 darauf ausgerichtet wurde, die über mehrere Projekte aufgebauten eLearning-Services zu verstetigen. Im Vordergrund stand damals die Begründung für die Etablierung von eLearning sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Die wohl wichtigsten Maßnahmen waren die Überführung der eLearning Service Abteilung (elsa) in eine feste Einrichtung sowie die nachhaltige Bereitstellung ausgewählter eLearning-Services.

Jetzt verhält es sich so, dass ein großer Teil der Maßnahmen umgesetzt sind und etliche Ziele durchaus erreicht wurden (z.B. wird in 70% der Lehrveranstaltungen Stud.IP genutzt). Nach der jetzigen Konstellation ist die eLearning-Strategie zwar noch richtungsweisend (sie enthält natürlich auch strategische Elemente), der Arbeitsalltag zeigt jedoch Schwächen und verlangt nach einer grundsätzlichen Klärung der Frage: Wohin wollen wir in den nächsten Jahren gehen? Das LMS ist etabliert, Beratung und Support gibt es, Medientechnik ist verfügbar und Aufzeichner können gebucht werden – braucht man da noch strategische Ziele oder geht es jetzt primär um die Erbringung von Dienstleistungen?

Diese Fragen stellen nicht wir, sondern sie werden an uns innerhalb unserer Hochschule herangetragen (Wir sind viel mehr der Meinung, dass wir im eLearning noch lange nicht am Ende der Entwicklungen angekommen sind). Mit dem einher folgt dann auch eine immer wieder aufkommende organisatorische Frage: Wo wird die elsa zukünftig angesiedelt? Für mich scheint es deswegen in dieser Diskussion um eine ganz andere Sache zu gehen: Für große universitäre Einrichtungen sind wir inzwischen ein leckeres Häppchen, was es entweder ganz oder in Teilen einzuverleiben gilt. Einige Einrichtungen wittern scheinbar Prestige, mit dem man sich im täglichen Verteilungskampf um Stellen- und Finanzmittel stärken kann. Denn wer erfolgreiche Services bereitstellt, dem rückt man mit Stellenkürzungen und Umstrukturierungen nicht so schnell zu Leibe.

Es zeigt sich somit, dass mit einer neuen eLearning-Strategie mehr Fragen zu klären sind, als die Frage: Wohin soll die Reise gehen? Primär wird es für uns darum gehen, vor allen Dingen zu zeigen, wie wir eLearning an dieser Hochschule gedenken weiter zu etablieren und neue Entwicklungen einbinden. Aus der Diskussion mit den Kollegen ergeben sich für mich deswegen derzeit die folgenden Eckpfeiler der eLearning-Strategie:

  • Wenn die elsa bis jetzt all die vielen eLearning-Innovationen selektiert und aufgearbeitet hat, dann muss Forschung und Entwicklung eine zentrale Aufgabe werden.
  • Weil eLearning so interdisziplinär ist, berühren viele eLearning-Services die unterschiedlichsten Abteilungen dieser Hochschule (z.B. Medientechnik das Baudezernat, Stud.IP das Hochschulverwaltungssystem, Mediendidaktik die Hochschuldidaktik). Der elsa muss deswegen eine Rolle als Innovationsmotor und -moderator zugesprochen werden. Innovation müssen mit den unterschiedlichen Abteilungen verbindlich angegangen werden.
  • Die elsa mit einem interdisziplinären Leitungsteam zu koordinieren, hat sich bewährt. Das gewährleistet, dass Entscheidungen und Entwicklungen von allen fachlichen Belangen aus abgewogen und später auch gemeinsam getragen werden. Dies gilt es fortzuführen und die elsa als eigenständige Abteilung beizubehalten.
  • Wenn Services dazu kommen sollen, wie finanziert sich das? Wir treten für eine Leistungskostenrechnung ein, brauchen aber auch Freiräume für Innovationen.
  • Last but not the least: Wir müssen weg vom eLearning und hin zu einer Qualitätsverbesserung der Lehre durch die Unterstützung mit digitalen Medien. Dies impliziert, dass wir eLearning an der Leibniz Universität Hannover als eine hochschuldidaktische Aufgabe verstehen. Auch wenn organisatorische, juristische und technische Fragen einen großen Teil unserer täglichen Arbeit ausmachen, die Unterstützung der Lehrenden und Studierenden ist die zentrale Aufgabe.

Letzter Punkt zeigt, wohin die Reise gehen muss: Digitale Medien müssen zur Unterstützung von Vorlesungen, Seminaren, Laboren, Schlüsselkompetenzen sowie für kompetenz- und projektorientierte Studiengänge eingesetzt werden. Wir können eLearning nicht mehr losgelöst von den einzelnen didaktischen Belangen denken, sondern immer nur als ein Teil eines Gesamtkonzeptes.

Dies impliziert, dass didaktische Beratung nicht mehr separat in mediendidaktische Beratung, Förderung von Schlüsselkompetenzen oder zur kompetenzorientierten Studiengangsentwicklung geführt wird. Ebenso verhält es sich mit der hochschuldidaktischen Fortbildung. Angebote wie z.B. „Vorlesungen gestalten“ und „Vorlesungen mit eLectures unterstützen“ müssen zusammengeführt werden. Erst so lässt sich eLearning weiter in die Breite bringen und Lerntechnologien auch letzten Endes für gute Lehre und nicht „nur“ zur organisatorischen Entlastung der Lehrenden und Studierenden einsetzen.

Deswegen bin ich der Meinung, dass unsere Strategie in einer Gesamtstrategie für die Hochschuldidaktik münden muss. Und so hoffe ich insgeheim, dass dies die letzte eLearning-Strategie wird, die ich für diese Hochschule schreibe 🙂

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Jetzt geht es los!

Es fing damit an, dass ich für die Zeitschrift „Hochschule & Weiterbildung“ der DGWF e.V. regelmäßig Rezensionen über eLearning-Bücher schrieb und heute auch noch schreibe. Die Rezensionen wurden dann veröffentlicht, aber meiner Fachcommunity habe ich damit nichts zugetragen (ich sehe mich fachlich mehr in der Mediendidaktik als in der wiss. Weiterbildung verortet). Schade eigentlich, denn einige Kollegen ließen sich von mir die Rezensionen per eMail zukommen. Ein Blog schien ideal diese Texte auch anderen Kollegen zukommen zu lassen und der Herausgeber der Zeitschrift gab mir grünes Licht für die eigene Veröffentlichung.

Darüber hinaus lese ich schon eine ganze Weile unterschiedliche Blogs und ziehe interessante Neuigkeiten und Meinungen daraus. Um nicht nur zu konsumieren, möchte ich durch die Bereitstellung der Rezensionen ebenfalls einen Beitrag für unsere Fachcommunity leisten. Mit diesem Blog kam dann auch der Wunsch über eigene Ideen, Meinungen, Projekte und Veröffentlichungen im eLearning zu informieren. Und so hoffe ich auf Interesse, Feedback und eine lebhafte sowie fruchtbare Diskussionen rund um das „e“ und „Learning“.

Aber schaut selbst, zwei Beiträge sind schon da 🙂