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Machbarkeitsstudie: Mögliche Entwicklungswege für ein MOOC-Angebot

Die Servicestelle „Offene Hochschule Niedersachsen“ (fortlaufend als OHN bezeichnet) hat Partner gesucht, die ihr mögliche Entwicklungswege für ein eigenes MOOC-Angebot aufzeigen können. Intention der OHN, eine entsprechende Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben, war prüfen zu lassen, inwieweit mit MOOCs nicht-traditionelle Studierende, ins besondere die Zielgruppe 3+3, für ein Studium gewonnen werden können. Auf diese Ausschreibung habe ich mich mit Annette Krekeler und Arne Kösling als Team erfolgreich beworben.

In der inzwischen abgeschlossenen Machbarkeitsstudie kommen wir zu dem Schluss, dass das MOOC-Angebot, die den MOOCs immanenten, hohen Abbrecherquoten vermeiden muss. Unserer Meinung nach können MOOCs die Zielgruppe nur zu einem Studium motivieren, wenn erfolgreiche Lernerlebnisse gesammelt werden. Wer entschließt sich schließlich schon für ein Studium, wenn er beim Schnupperstudium keine Erfolgserlebnisse hat? Damit bekommt das OHN-Vorhaben aus unserer Sicht eine andere Akzentsetzung: Weg von einer Sammlung von MOOCs, hin zu einem Informations- und Beratungsportal auf Basis von gut betreuten Open Online Courses (OOCs).

Die gesamte Machbarkeitsstudie haben wir als technischen Bericht in der TIB/UB veröffentlicht. Diese kann hier abgerufen werden. Vielen Dank an dieser Stelle der OHN für das entgegengebrachte Vertrauen und die Möglichkeit, unser Machbarkeitsstudie frei veröffentlichen zu dürfen.

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Didaktische Videoclips – nicht nur für die Beratung

Die didaktische Beratung von Lehrenden ist für uns Medien- und Hochschuldidaktiker eine große Herausforderung, denn Lehrende sind vorsichtig beim Annehmen eines Rates. Dazu haben die Lehrenden ein gutes Recht, denn der Beratende kennt die Lehr-/Lernbedingungen nicht und beherrscht meist auch das gelehrte Fach nicht. Wie soll er aus Sicht der Lehrenden dann einen konstruktiven Beitrag zur Optimierung der Lehre leisten? Damit Beratung zum Erfolg führt bedienen wir uns jedoch einer Vorgehensweise, die diese Rahmenbedingungen berücksichtigt und ähnlich auch in anderen Beratungsfeldern üblichen ist:

  1. Die Beratung beginnt mit einem Frage- und Antwortdialog, wodurch sich der Beratende in den Lehrenden sowie in seine Lehre hineinversetzt.
  2. Anhand der dabei gewonnenen Erkenntnisse identifiziert sie oder er aus einem Repertoire an Methoden & Medien jene, die dessen Lehre unterstützen können.
  3. Die passenden Methoden & Medien muss der Beratende überzeugend vorstellen und dann
  4. wiederum mit dem Lehrenden diskutieren, ob der Vorschlag ein praktikabler Ansatz für seine Lehre ist.
  5. Dieser Prozess wird so lange wiederholt, bis für den Lehrenden eine oder mehrere didaktische Ansätze identifiziert werden konnten und…

… die Beratung weitergeführt werden kann. Denn danach gilt es die Lehre auf die neuen didaktischen Ansätze vorzubereiten, durchzuführen und anschließend dessen Wirksamkeit zu evaluieren. Auf diese Schritte möchte ich hier nicht weiter eingehen, sondern den Blick auf die Schritte 1. bis 4. lenken. Denn die Beratung bedarf hier viel Empathie, Kreativität, Moderationstechniken und des Transfers didaktischer Kenntnisse – eine kognitiv sehr anstrengende Tätigkeit. Um den Beratenden zu unterstützen haben wir im N2E2-Projekt überlegt, welche Werkzeuge ihr oder ihm dabei an die Hand gegeben werden können.

Schnell wurde in der Diskussion der Schritt 3. als jener im Beratungsprozess identifiziert, der einer Unterstützung bedarf. Denn das Vorstellen eines didaktischen Ansatzes kann vom Beratenden nur sehr eindimensional erfolgen: Er kann die Methode und das Medium prinzipiell erklären und versichern, dass dies ein wirkungsvoller Ansatz ist. Er kann aber nicht authentisch die Meinung eines Lehrenden wiedergeben, zeigen, wie die Studierenden im Lehr-/Lernprozess mit dem didaktischen Ansatz umgehen und wie sich das Zusammenspiel Lehrender, Studierende, Methode und Medium darstellt. All das kann jedoch mit einem „didaktischen Videoclip“ geleistet werden, wofür ich nachfolgend ein Beispiel eingebunden habe:

Weitere Beispiele können im elsa Didaktik YouTube-Kanal abgerufen werden und sind per Creative Commons für eine nichtkommerzielle Wiederverwendung freigegeben.

Unsere didaktischen Videoclips haben ein immer wiederkehrendes Format: Lehrende werden zu einem didaktischen Ansatz befragt, dieser wird anhand des gefilmten Lehr-/Lerngeschehens expliziert und abschließend werden der Lehrende – und ggf. auch Studierende – um ein Statement gebeten. Solch eine Informationsverdichtung und Authentizität kann ein didaktisch Beratender nicht leisten.

Meine Erfahrungen mit den didaktischen Videoclips sind durchweg positiv. Sie geben den Lehrenden den gewünschten authentischen Einblick in den Lehr-/Lernprozess und dem Beratenden eine kleine Pause während der Beratung. Für mich fühlt es sich an, wie ein sehr kraftvolles Werkzeug und es scheint, dass der Beratungserfolg höher ist als ohne Videoclip. Untersuchungen zur Wirksamkeit habe ich nicht zu bieten, hier identifiziert sich folglich ein Forschungsthema. Der Blick auf die Kosten zeigt, dass durchschnittlich 2 Arbeitswochen (80 Zeitstunden) für die Produktion eines didaktischen Videoclips zu kalkulieren sind. Für eine einzelne Beratungsstelle hohe Kosten. Es empfiehlt sich mit mehreren Beratungsstellen zusammen didaktische Videoclips zu produzieren und diese gemeinsam zu nutzen.

Zu guter Letzt: Ich habe die Begründung „für“ didaktische Videoclips anhand der Anforderungen in der didaktischen Beratung vorgenommen. Sie dienen uns darüber hinaus, um auf Web-Seiten Methoden & Medien vorzustellen sowie Informationsveranstaltungen für Lehrende mit praktischen Beispielen aufzulockern. Auch hier halte ich sie für ein wichtiges Werkzeug, um die Lehrenden zu motivieren neue Methoden & Medien einzusetzen und dadurch die Qualität der Lehre nachhaltig zu verbessern.

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eLearning-Services: Zentral contra Dezentral?

Zum Auftakt – Historisches: eLearning-Services an Hochschulen sind eine junge Erscheinung. Im Falle der Leibniz Universität Hannover verhält es sich so: Nachdem die ersten eLearning-Projekte zeigten, was machbar und finanzierbar ist, wuchs das Verständnis dafür, dass der Einsatz von digitalen Medien in der Lehre kein Selbstläufer ist. So haben wir 2004 im ELAN 2 Projekt damit angefangen für drei Hochschulen – die TU Braunschweig, die Medizinische Hochschule Hannover und die Leibniz Universität Hannover – so genannte eLearning Services bereitzustellen. Das interdisziplinäre eLearning-Service-Team (eLT) war im Forschungszentrum L3S angesiedelt und beriet die Lehrenden an den einzelnen Standorten – wenn man so will, dezentral.

Das hatte neben einigen Nachteilen etliche Vorteile: Lernmanagementsysteme wurden nur an einem Standort aufgebaut und allen anderen Hochschulen ebenfalls bereitgestellt, die Mitarbeiter hatten einen Kollegenkreis in dem sie sich austauschen konnten und für viele Fragestellungen waren Spezialisten vorhanden (ein Kollege war auf WBT spezialisiert, der nächste auf LMS). Es entstanden so in einem Bereich hoher Spezialisierungen die viel beschworenen Synergieeffekte. Später wurde das eLearning-Service-Team (eLT) in die eLearning Services Abteilung (elsa) überführt und war ab 2005 nur noch für die Leibniz Universität Hannover zuständig. Damit einher gingen viele Kompetenzen verloren. Jede Hochschule besann sich damals auf das, was sie am besten konnte. Darüber hinaus wurden Basisdienste vielfach parallel aufgebaut (z.B. Stud.IP).

Heute sehen sich die mit den eLearning Services Betrauten mit hohen Anforderungen konfrontiert. Kleine interdisziplinäre Teams sorgen – neben umfangreichen organisatorischen und Hochschulpolitischen Aufgaben – für die Bereitstellung der Lerntechnologien und für die Beratung sowie Schulung von Hochschullehrenden. Dabei werden sie mit immer mehr Lerntechnologien betraut. Reichte 2005 noch ein Lernmanagementsystem, sind heute mind. zwei Systeme im Einsatz, um die unterschiedlichen Anforderungen der Fakultäten zu bedienen. Darüber hinaus sind Wiki-Farmen, ePortfolios, Podcast-Portale, eAssessment-Systeme und Social Networks hinzugekommen. Den einzelnen Mitarbeitern bleibt dabei wenig Möglichkeit sich tiefergehend mit den Lerntechnologien auseinanderzusetzen. Die Wartung besonders wenig genutzter Systeme wird vernachlässigt, neue Systeme nicht mehr aufgesetzt und didaktische Beratung kann kaum noch tiefergehend geleistet werden. Während früher Lehrveranstaltungskonzepte entwickelt wurden, werden heute die Lehrenden mit schriftlichen Handreichungen versorgt.

Brauchen wir deswegen wieder zentrale Strukturen? Nein, aber ich sehe ein großes Potenzial in der Kooperation der Hochschulen untereinander. Besonders bei  Webbasierten-Systemen kann ein florierender Austausch praktiziert werden. Eine Hochschule spezialisiert sich auf die Bereitstellung, Schulung und Beratung von ILIAS, die Nächste nimmt sich LON-CAPA vor und eine weitere Hochschule fokussiert auf das Educasting. So ließen sich auf einer professionellen Basis besonders jene Lerntechnologien und didaktischen Kompetenzen vorhalten, die nicht so oft an einem Standort nachgefragt werden. Der Austausch bedarf natürlich einer Struktur: Eine kleine zentrale Einheit kümmert sich um die Koordination dieses Prozesses und die Bewerbung der eLearning-Services an den einzelnen Standorten.

In Niedersachsen böte sich hierfür der ELAN e.V. an. Leider zögern besonders große Hochschulen derzeit dem ELAN e.V. beizutreten, denn die Höhe des Mitgliedsbeitrages richtet sich nach der Anzahl der Studierenden, was zu hohen Beiträgen führt. Durch die Bereitstellung von eLearning-Services, die am eigenen Standort bereits vorhanden sind, könnten jedoch gerade diese Hochschulen ihre Dienstleistung als Mitgliedsbeitrag verrechnen lassen. Ihr Gewinn: Eigene eLearning-Services könnten durch einen überschaubaren Mehraufwand deutlich ausgebaut werden. Kleine Hochschulen, die oftmals kaum personelle Ressourcen für das eLearning bereitstellen, könnten hingegen durch einen kleinen Beitrag auf die gleichen Lerntechnologien zurückgreifen, wie die großen Hochschulen. Synergieeffekte, die genutzt werden sollten!

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campusemerge 2010 – eLearning Hochschullehrpreis für Niedersachsen

Projekt: Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) fördert derzeit einen Hochschullehrpreis, der dem Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre gewidmet ist. Das Vorhaben wird vom KHN (Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik in Niedersachsen) sowie dem ELAN e.V. mit viel Geschick umgesetzt. Derzeit können 27 Einreichungen als Video angesehen und von jedem bewertet werden. Einfach bei www.campusemerge.de auf die Web-Site und sich einen Login geben lassen.

Meinung: Ich habe inzwischen alle 27 Beiträge angesehen, bewertet und muss sagen: Ich bin entzückt! Klar, viele Sachen sind für mich nicht neu, aber trotzdem freue ich mich über die vielen Beiträge, die mit Liebe und Fleiß digitale Medien in der Lehre eingebunden haben. Im Vordergrund der Konzepte stehen fast immer die Studierenden und die Ansätze verfolgen größtenteils eine stärkere Lernerorientierung. Viele Teilnehmer haben den Mehrwert der digitalen Medien erkannt und geschickt mit ihrer Präsenzlehre verknüpft.

Idee: Nebenbei ist eine Sammlung von Beispielen für den Einsatz digitaler Medien entstanden, die die unterschiedlichsten Fachwissenschaften und Lernziele fassen. Besonders in der eLearning-Beratung, aber auch in den Schulungen, kann ich mir den Einsatz dieser Videos sehr gut vorstellen. Warum? Sie sind authentisch, kurz, prägnant und bringen so das Konzept sowie die Mehrwerte der Konzepte gut rüber. Außerdem ist es immer was ganz anderes, wenn ein Dozent entsprechende Konzepte vorstellt, als wenn ein ausgebildeter Mediendidaktiker dies tut. Denn die Unsicherheit bei vielen Lehrenden ist groß: Kann ich das auch, ich bin ja kein Didaktiker? Das ist doch alles nur Theorie, was der Berater da mitbringt! Hat er das je selbst ausprobiert? Diesen Unsicherheiten dürften sich mit den Videos gut begegnen lassen und zum eLearning motivieren. Klar, danach muss dann eine gründliche Konzeptentwicklung erfolgen, damit die Lernziele auch erfolgreich erreicht werden.

Fazit: Glückwunsch an die vielen KHN und ELAN e.V. Akteure! Weiter so!