eLearning-Services: Zentral contra Dezentral?

Zum Auftakt – Historisches: eLearning-Services an Hochschulen sind eine junge Erscheinung. Im Falle der Leibniz Universität Hannover verhält es sich so: Nachdem die ersten eLearning-Projekte zeigten, was machbar und finanzierbar ist, wuchs das Verständnis dafür, dass der Einsatz von digitalen Medien in der Lehre kein Selbstläufer ist. So haben wir 2004 im ELAN 2 Projekt damit angefangen für drei Hochschulen – die TU Braunschweig, die Medizinische Hochschule Hannover und die Leibniz Universität Hannover – so genannte eLearning Services bereitzustellen. Das interdisziplinäre eLearning-Service-Team (eLT) war im Forschungszentrum L3S angesiedelt und beriet die Lehrenden an den einzelnen Standorten – wenn man so will, dezentral.

Das hatte neben einigen Nachteilen etliche Vorteile: Lernmanagementsysteme wurden nur an einem Standort aufgebaut und allen anderen Hochschulen ebenfalls bereitgestellt, die Mitarbeiter hatten einen Kollegenkreis in dem sie sich austauschen konnten und für viele Fragestellungen waren Spezialisten vorhanden (ein Kollege war auf WBT spezialisiert, der nächste auf LMS). Es entstanden so in einem Bereich hoher Spezialisierungen die viel beschworenen Synergieeffekte. Später wurde das eLearning-Service-Team (eLT) in die eLearning Services Abteilung (elsa) überführt und war ab 2005 nur noch für die Leibniz Universität Hannover zuständig. Damit einher gingen viele Kompetenzen verloren. Jede Hochschule besann sich damals auf das, was sie am besten konnte. Darüber hinaus wurden Basisdienste vielfach parallel aufgebaut (z.B. Stud.IP).

Heute sehen sich die mit den eLearning Services Betrauten mit hohen Anforderungen konfrontiert. Kleine interdisziplinäre Teams sorgen – neben umfangreichen organisatorischen und Hochschulpolitischen Aufgaben – für die Bereitstellung der Lerntechnologien und für die Beratung sowie Schulung von Hochschullehrenden. Dabei werden sie mit immer mehr Lerntechnologien betraut. Reichte 2005 noch ein Lernmanagementsystem, sind heute mind. zwei Systeme im Einsatz, um die unterschiedlichen Anforderungen der Fakultäten zu bedienen. Darüber hinaus sind Wiki-Farmen, ePortfolios, Podcast-Portale, eAssessment-Systeme und Social Networks hinzugekommen. Den einzelnen Mitarbeitern bleibt dabei wenig Möglichkeit sich tiefergehend mit den Lerntechnologien auseinanderzusetzen. Die Wartung besonders wenig genutzter Systeme wird vernachlässigt, neue Systeme nicht mehr aufgesetzt und didaktische Beratung kann kaum noch tiefergehend geleistet werden. Während früher Lehrveranstaltungskonzepte entwickelt wurden, werden heute die Lehrenden mit schriftlichen Handreichungen versorgt.

Brauchen wir deswegen wieder zentrale Strukturen? Nein, aber ich sehe ein großes Potenzial in der Kooperation der Hochschulen untereinander. Besonders bei  Webbasierten-Systemen kann ein florierender Austausch praktiziert werden. Eine Hochschule spezialisiert sich auf die Bereitstellung, Schulung und Beratung von ILIAS, die Nächste nimmt sich LON-CAPA vor und eine weitere Hochschule fokussiert auf das Educasting. So ließen sich auf einer professionellen Basis besonders jene Lerntechnologien und didaktischen Kompetenzen vorhalten, die nicht so oft an einem Standort nachgefragt werden. Der Austausch bedarf natürlich einer Struktur: Eine kleine zentrale Einheit kümmert sich um die Koordination dieses Prozesses und die Bewerbung der eLearning-Services an den einzelnen Standorten.

In Niedersachsen böte sich hierfür der ELAN e.V. an. Leider zögern besonders große Hochschulen derzeit dem ELAN e.V. beizutreten, denn die Höhe des Mitgliedsbeitrages richtet sich nach der Anzahl der Studierenden, was zu hohen Beiträgen führt. Durch die Bereitstellung von eLearning-Services, die am eigenen Standort bereits vorhanden sind, könnten jedoch gerade diese Hochschulen ihre Dienstleistung als Mitgliedsbeitrag verrechnen lassen. Ihr Gewinn: Eigene eLearning-Services könnten durch einen überschaubaren Mehraufwand deutlich ausgebaut werden. Kleine Hochschulen, die oftmals kaum personelle Ressourcen für das eLearning bereitstellen, könnten hingegen durch einen kleinen Beitrag auf die gleichen Lerntechnologien zurückgreifen, wie die großen Hochschulen. Synergieeffekte, die genutzt werden sollten!

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