Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (3/3): Ein neues Selbstverständnis

Dieser Text ist eine Fortsetzung von Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (2/3): Professionelle Bildung:

Was wäre, wenn solche Bildungsangebote zukünftig als Distance Learning umfangreich, erschwinglich und weltweit über das Internet angeboten würden? Wenn ein MBA-Studium aus Oxford, ein Englischstudium aus Indien oder ein Mathematikstudium aus Russland die Bildungsangebote deutscher Schulen und Hochschulen tangieren? Dann verändert sich die Bildungslandschaft fremdbestimmt. Die Chancen der frühen Stunde wären passé und den Wandel von der Industrie- zu Wissensgesellschaft hätten andere vollzogen, nicht wir.

Mein Fazit: Ich bin weder ein Bildungsökonom noch ein Bildungspolitiker, um hier eine ausgereifte Vorgehensweise darzulegen. Ich verstehe mich viel mehr als Mediendidaktiker – sowie stückweit natürlich auch als Ingenieur – und möchte mit diesen Szenarien zeigen, was didaktisch denkbar und machbar ist. Aus dem Vergleich mit den Ingenieurswissenschaften zeigt sich für mich, dass Innovationen in der Bildung nicht nur aus einer forschungsmethodischen Diskussion heraus erwirkt werden können. Innovationen können sich nur auf einer breiten und nachhaltigen Basis etablieren, wenn auch der Handlungsrahmen in der Bildungspolitik und den Bildungseinrichtungen erweitert würde.

Hierfür müsste sich auch das Selbstverständnis von Lehren und Lernen ändern: Lehren würde nicht mehr einer einzelnen Person überlassen, die mühselig Stunde für Stunde selbst vorbereitet, durchführt und das Lernergebnis bewertet. Lehrende würden mit professionellen Medien (Werkzeugen) den Unterricht für eine Zielgruppe gestalten und die vielen Aufgaben auf ein Team von Fachexperten und Fachdidaktikern aufteilen. Hierdurch würde eine Professionalisierung des Bildungsproduktes erwirkt und die Nachfrage nach Innovationen gestärkt. Wie bei Ingenieurswissenschaftlern (einem Autobauer, einem Informatiker, einem Bauingenieur) müsste mit jedem Bildungsangebot die Frage gestellt werden, was kann anders und besser gemacht werden als vorher um im Wettbewerb vorne mitzuspielen. Denn im Vergleich zu den Ingenieurswissenschaften stehen wir heute noch in einer Hofgarage und jeder bastelt seine eigenen Werkzeuge und mit denen dann seine eigenen Bildungsprodukte.

Zu guter Letzt: Die Pädagogik müsste für Innovationen in der Bildung einstehen. Eine vielerorts fortschrittkritische Haltung gegenüber neuer Methoden, Technologien und Bildungsstrukturen müsste einer konstruktiven Kritik weichen (z.B. ja zu Bologna, wie aber kann es besser werden?). Gemeinsames Ziel müsste es sein, die grundlegenden Strukturen für innovative Bildungsangebote zu schaffen, die den Ansprüchen einer erfolgreichen Wissensgesellschaft dienen. Zugegebenermaßen: Ein sehr ambitioniertes Ziel :-)

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2 Kommentare zu “Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (3/3): Ein neues Selbstverständnis
  1. Bildungsökonom…zum ersten Mal gehört, gegoogelt, und….das gibt es wirklich! Humboldt wäre sicher hocherfreut.

  2. marckrueger sagt:

    Stellt sich die Frage, welcher von den beiden Humboldt´s gemeint ist 😉

1 Pings/Trackbacks für "Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (3/3): Ein neues Selbstverständnis"
  1. […] meine Gedanken, die ich schon in einen älteren Blogbeitrag formuliert habe: Was ist, wenn „ein MBA-Studium aus Oxford, ein Englischstudium aus Indien oder ein Mathematikstudium aus Russland d…“ Entwickelt sich dort abseits unserer Aufmerksamkeit mit digitalen Medien eine neue […]

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