Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (2/3): Professionelle Bildung

Dieser Text ist eine Fortsetzung von Ingenieurs- contra Bildungswissenschaften (1/3): Stattliche contra marktwirtschaftlicher Gesetze :

Mangelnder Wettbewerb sowie fehlende Handlungsspielräume hemmen demnach Innovationen in der Bildung. Denn schaut man sich Lehrende heute an, dann kann man konstatieren, dass sie alleine jede Unterrichtsstunde wie anno dazumal mühselig vorbereiten und durchführen (Wie viel didaktische Kreativität verbleibt wenn man 28 Stunden Unterricht pro Woche vorbereitet? Wie viel Zeit hat man sich in jedes Thema einzeln einzuarbeiten?). Jeder Lehrende erstellt seine eigenen Unterrichtsmaterialien, gemeinsam erarbeitete Unterrichtsmaterialien sind eher eine Seltenheit. Im Mittelpunkt des Unterrichts steht der einzelne Lehrende als ultimatives Medium. Ein Budget für professionelle Werkzeuge – z.B. LMS, Simulationen, Animationen, Serious-Games oder gute Lehrfilme – steht kaum zur Verfügung.

In den Ingenieurswissenschaften werden hingegen professionelle Werkzeuge für die Arbeit bereitgestellt: Hochwertige Messgerät, CAD-Programme oder Simulationssoftware (z.B. elektr. Schaltungen oder mechan. Schwingungen) werden weiterentwickelt und unterstützen den Ingenieur bei einem permanenten Innovationsprozess. Einfache Arbeiten werden von den Werkzeugen übernommen, der Ingenieur kann sich neuen Aufgaben und Problemen der Konstruktion widmen. Darüber haben sich in jeder Fachdisziplin sehr unterschiedliche Spezialisierungen durchgesetzt.

Übertragen auf die Bildung hieße dies ein vollständig anderes Selbstverständnis: Nicht nur ein einzelner Lehrender wäre für eine definierte Gruppe von Lernenden für die didaktische Reduktion, für die Auswahl der Lernmedien und Methoden, für die Gestaltung des Veranstaltungsablaufs, für die Ergebnissicherung und für die Bewertung der Lernleistungen zuständig, sondern ein Team aus unterschiedlichen Fachexperten und Fachdidaktikern. Das Ziel dieses Teams müsste es sein, ein Bildungsangebot qualitativ hochwertig und kosteneffizient zu gestalten. Didaktische und technische Innovationen würden dem Team helfen das Bildungsangebot immer weiter zu optimieren. Es bedürfte aber auch einer anwendungsorientierten Forschung, die weder in der Anwendung wissenschaftlicher Methoden noch in ihrer Komplexität jene der Grundlagenforschung nachsteht. Denn für die Bildungswissenschaften – bzw. für die Teams in den Bildungseinrichtungen – müssten Lernszenarien und Lernmedien so aufbereitet werden, dass sie auch einfach umgesetzt werden können.

Sie halten diese Ausführungen für radikal? Bildungsarbeit ist und bleibt Handarbeit? Automatisierte Bildung ist unmenschlich? Es gibt Bildungseinrichtungen, die so schon heute erfolgreich im Wettbewerb stehen. Z.B. haben Sprachschulen die Zeichen der Zeit erkannt und setzen innovative Lernmethoden und Lernmedien für den Spracherwerb ein (z.B. www.wallstreetinstitut.com). Grammatik und Vokabelpauken war gestern. Heute erfassen ausgefeilte diagnostische Instrumente den Kenntnisstand der Lernenden, seine persönlichen Lernziele und Lerngewohnheiten. Der Lernende absolviert dabei keine aufeinander aufbauenden Sprachkurse mehr sondern arbeitet auf ein bestimmtes Sprachniveau hin. Durch die Interaktion mit digitalen Medien, durch Gruppenarbeit und dem Coaching des Sprachlehrers werden die selbstgesteckten Ziele Schritt für Schritt erarbeitet. Ein professionelles Team aus Sprachpädagogen und Mediendidaktikern erarbeitet entsprechende Bildungsangebote. Ein anderes Beispiel ist Scoyo (www.scoyo.de). Es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Angebot der klassischen Nachhilfe Konkurrenz machen wird (oder schon macht?). Was ist, wenn McDonalds mit jeder Kindertüte Gutscheine für 1 Freistunde Scoyo mitliefert? Werden wir dann unseren Kindern erklären, dass Burger essen schlecht ist für die Bildung oder fangen wir dann eine neue Grundsatzdebatte an?

Fortsetzung folgt…

Getagged mit: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*